Was Marx nicht wusste

Als die Inzidenzien halb Thüringen, dazu viele alteingesessene Familien rund um Hof und fast alle Erzgebirgler, die noch »Rachermännle« schnitzen konnten, auszulöschen drohten, herrschte hierzulande erstaunliche Euphorie. Im Fernsehen setzte man sich mit drei Metern Abstand auf die Stühle, und die hellsten Köpfe der Nation schwärmten davon, wie schön das Leben sein werde, wenn alle – außer denen, die noch am Leben sein würden, tot sind: Das Scheißvirus, hieß es, sei die wunderbare Chance, alles noch mal »neu« und »viel schöner« – zunächst »zu denken« – und dann zu machen. Vor allem natürlich unsere an sich schon schmückliche Demokratie. … weiter

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Theater-Knigge

Nach langen Monaten der Kulturabstinenz freuen sich Schauspielfreunde und Musikfans wieder auf die Öffnung von Theatern und Konzertsälen. Doch das zurückliegende Leben in häuslicher Isolation hat viele Menschen verunsichert.

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Zu heiß im Schritt?

Vor acht ist in der ARD einiges los. Zwischen liebgemeinten Verbraucherhinweisen zu Verstopfungen von Spüle oder Enddarm, zu Seniorenwindeln und zu Hörgeräten (niemals in die Spülmaschine!), gibt es Wissenschafts-, Wetter- und Börsennews.

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Dem Visionär ist nichts zu schwär

Armin Laschet steht in seinem Reihenhaus im Aachener Vorort Burtscheid und flucht. Er hat mit Duplosteinen die Berliner Innenstadt nachgebaut. »Das ganze Zeug muss weg!«, ruft er verärgert und tritt gegen ein kniehohes Gebäude, das offenkundig das Kanzleramt darstellen soll. Als Rheinländer habe er sich nie mit den Sichtachsen und geradlinigen Magistralen in Berlin anfreunden können. »Da muss mehr Verspieltheit rhein«, sagt der frischgebackene CDU-Bundesvorsitzende und baut etwas, das vage an einen Dom erinnert. Obendrauf platziert er kleine bunte Männchen als Kamellewerfer.

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Leiden mit Levit

Depressive Jugendliche, die die Schule vermissen, Männer, die im Supermarkt verzweifelt auf die heraushängenden Nasen von Maskenmuffeln schlagen, und jeden Abend Karl Lauterbach im Fernsehen – Corona hat unsere Zivilisation nachhaltig geschädigt.

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Der Macher

Kanzler. Er will es. Er kann es.

Er steht vor dem Spiegel und übt, wie es ist, wenn er ausländischen Staatsgästen die Hand schüttelt. Er ist ein Macher. Ein Draufgänger.

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Das absolute Lustprinzip

FERNSEHEN

Kinder wollen nichts lieber als lernen, lernen und nochmals lernen. In den Nachrichten zeigt man uns täglich missmutige Bratzen, die ihren Kuscheltieren und kleineren Geschwistern Gewalt angedeihen lassen, weil ihnen das Lernen in fröhlicher Gemeinschaft so sehr fehlt. Vor allem die Rechenwettbewerbe, bei denen alle aufstehen, der Streber (Berufswunsch »was mit Investment«) sich als erstes setzen darf, und das Hartzi-Kindlein als Verlierer stehenbleibt. Solche Events gibt es jetzt natürlich nicht, sie fehlen schmerzhaft. … weiter

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Schöne neue Welt

»Plopp!« So macht die Katzenklappe, als Manfred Wierus’ Sohn Kowid an der Terrassentür vorbeiläuft und das Badezimmer ansteuert. Wie von Geisterhand öffnet sich die Klappe, und die Mieze, die bei ihrem Hauseintritt immer die Haustechnik verstellt, darf endlich rein.

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Und am Ende gewinnen immer die Deutschen

Der Live-Kommentar vom Endspiel der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft

Von MICHAEL KAISER

»Herzlich willkommen, liebe Fußballfans, zum Endspiel um die Europameisterschaft 2020! Erste Gewitterwolken ziehen über dem Verwaltungssitz der UEFA in Nyon auf, doch der Fußballgott meint es gut mit uns, denn während draußen schwüle 32°C herrschen, sorgt die Klimaanlage im Keller des Gebäudes für bestes Fußballwetter…

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Nun, Volk, steh auf und wende ein!

Wofür Hitler im Wahlkampf das Flugzeug nutzte, das muss Michael Kretschmer mit der Ministerpräsidentenlimousine schaffen: plötzlich überall und nirgends zu sein, in aller Herrgottsfrühe aufzutauchen wie ein Spuk, sich von fanatisierten Parteigängern zurufen zu lassen:

Gelesen von Mathias Wedel
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Mit Hundekacke Hütten bauen

Haben es alle verstanden? Die Welt wird untergehen, und die Sonne eines Tages nie wieder auf! Um den Weltuntergangstermin irgendwie noch ein Weilchen hinauszuschieben und wenigstens ihren Abi-Ball erleben zu dürfen, ziehen jeden Freitag …

Eingesprochen von Felice von Senkbeil
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Immerhin kein Mäkelfritze

Eigentlich ist Philipp Amthor ein großer kräftiger deutscher Mann. Wenn er mit seinen grundgesetzgroßen Händen auf den Tresen des Rednerpults im Reichstag schlägt, dann wackeln die Scheiben im Takt der Nationalhymne und sogar die Brustwarzen von Frauke Petry erigieren …

Mit einer Audioversion für Sehgeschädigte extra vom Autor eingesprochen
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Die Königin des Gammelfleischs

Wenn sie lächelt, geht über dem Abendland die Sonne auf. Julia Klöckner ist die Carmen Nebel der CDU, Merkels Schmusemädchen, das Glöckchen, also das Klöckchen im Kirchturm und auf dem besten Weg, eine bedeutende Feministin ihrer Generation zu werden …

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Manni der Multiple

In Lederhosen – und sonst nix – sitzt Manfred Weber an seinem Laptop. Diese Kombination ist für ihn viel mehr als nur Folklore, sie ist Teil seiner bipolaren Identität – wie Dark – net und Dirndl, WhatsApp und Watschn, Facebook und Fotzenhobel.

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