Besser wird´s nicht

FERNSEHEN

Sie klingt wie eine Mischung aus Helga Hahnemann, Verona Pooth und Dieter Hallervorden (röhren, grunzen, nölen). Zum Glück sieht sie nicht so aus, sondern anders. Carolin Kebekus ist der Comedy-Liebling der ARD. Endlich eine Frau, eine unter Fünfzig, mit Brüsten, mit Vorliebe für Fäkalhumor und mit musikalischem Talent. Wir müssen dankbar sein für dieses Geschöpf! Es ist nicht ausgemacht, dass Begabte sich durchsetzen im Öffentlich-Rechtlichen, nur weil sie begabt sind. Zu viele Gremien, zu viele Chefs, zu viele Günstlinge (die meisten männlich). Jetzt ist sie schon im zweiten Jahr bestplatziert im linearen Leitmedium. Mehr geht nicht. Davor war sie mit »Pussy Terror« als Muschi-Terroristin sehr erfolgreich.

Aber warum kann ich sie nicht ertragen? Regelmäßig setze ich mich aufs Sofa, mit dem festen Vorsatz, ihre Show lustig zu finden. Ich bin vorbereitet, habe zum Einlachen den Witz des Tages im Berliner Kurier gelesen (schlimmer geht’s nimmer), mich leicht mit einem Lavendelzweigchen über dem Zwerchfell gekitzelt und sauge an einer Zitrone. »Jetzt wird’s lustig!«, rufe ich meinen Mann aus der Küche herbei. »Etwa wie beim letzten Mal, als du mit dem Pantoffel nach dem Bildschirm geworfen hast?«, fragt er. Wieso überkommt mich die Wut, wenn unsere »deutsche Comedy-Queen« durch den Abend führt?

Wenn sie im Lederrock und mit Lehrerinnen-Frisur die Bühne betritt, wird es schrill. Sie plappert ihren Stand-up-Text zu aktuellen Themen runter: Wie Scholz mit China Geschäfte macht, wie ein Irrer Twitter regiert, dass Nebel wegen des Klimawandels seltener wird und die »Tagesschau«-Sprecher nun keine Krawatte mehr tragen müssen. Damit wir alle wissen, was wir schon alle wissen.

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Es gibt müde Lacher aus dem Saal, sicherlich freiwillige, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Comedy-Claqueure von unseren Zwangsgebühren bezahlt werden! Wenn doch, dann sind sie ihr Geld nicht wert. Nach drei Minuten – da hätten im Mainzer Karneval schon Hundertschaften unterm Tisch gelegen! – ahne ich: Besser wird es nicht.

Nicht dass Frau Kebekus nicht ihr Bestes gäbe. Aus fußlahmen Pointen versucht sie mit irren Geräuschen und ab und zu einer Parodie etwas rauszuholen. Aber das wird nichts.

Dann schwenkt sie auf absolut sicheres Terrain – wie Dieter Nuhr und Oliver Welke ist auch die Kebekus zur Witzeerklärerin herabgesunken.

»Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr tolerant, jeder soll tragen, was er will …« So leitet sie das Hauptthema der Sendung ein: das Comeback der Low-waist-Jeans. Der Sprung vom krepierten Witz über den lebenden Scholz zu einer tiefsitzenden Hose gelingt spielend. Denn diese Art Hosen haben ein so unsagbar dickes Pointenpotential. Kalte Nierchen, die rausblitzende Arschritze, und kurze Beine wie beim Dackel macht sie auch. Damit wäre alles gesagt. Aber was machen wir mit den restlichen 30 Minuten (gefühlt sind es 60)? Dann eben noch ein Lied auf die verhasste Hose. Sehr hübsch. Das kann sie. Das Beste wäre, sie würde nur so quatschig singen.

Da ist sie, die Comedy-Queen, die Deutschland liebt. Leider verschwindet sie einige Sendeminuten später wieder in einem kindisch überdrehten Erklärmonolog. »Kennt ihr das, diese Selbstzweifel? Ich denke manchmal, ich kann das gar nicht …« – »Das stimmt!«, könnte jetzt ein Gelangweilter aus dem Publikum rufen. Das wäre gemein, aber ich könnte den Fernsehabend an dieser Stelle beenden und mit der Gewissheit schließen: Besser wird’s wirklich nicht.

Doch auch ich kenne diese Selbstzweifel. Vor allem wir Frauen zweifeln viel, an uns, dem Partner, vielleicht manchmal auch ein bisschen an der Regierung.

Also bleibe ich auf dem Sofa liegen, vielleicht tue ich ihr Unrecht, dieser einzigen öffentlich-rechtlichen Feministin. Und dann passiert es doch, ich muss lachen. Die Superstars der Weltgeschichte, Michelangelo, Marie Curie, Superwoman und Jesus sitzen beim Vorstellungsgespräch in einer Zeitarbeitsfirma und zweifeln an ihren Fähigkeiten. Alle gespielt von Carolin Kebekus, und zwar sehr komisch.

FELICE VON SENKBEIL

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