Ein Anruf bei Karl Lauterbach

Guten Tag, Herr Lauterbach, schön, dass Sie Zeit gefunden haben, obwohl Sie offenbar sehr unter Druck stehen. Sie sehen, mit Verlaub, gar nicht gut aus. Diese leeren Augen, der starre Blick, und überhaupt dieses ganze komische Vogelgesicht …

Das können Sie gar nicht beurteilen übers Telefon.

Sie waren gestern im Fernsehen.

Fernsehen zu schauen ist gut. Vor laufender Kamera werden die wichtigsten Entscheidungen getroffen. Ich warne aber eindringlich davor fernzusehen. Das blaue Licht beeinflusst den Schlafrhythmus, man sitzt zu viel und schließlich bekommt man viereckige Augen.

Da ist er wieder, der gespaltene Lauterbach, der auf der einen Seite zu vorsichtiger Panik rät, aber gleichzeitig als Regierungsmitglied jeden Lockerungswunsch der FDP umsetzt. Manche fordern deshalb schon Ihren Rücktritt.

Das ist inkonsequent. Wenn es mich als Dr. Lauter und Mr. Bach gibt, müssen diese Kritiker schon sagen, wer von uns beiden zurücktreten soll. Ich warne daher vor Rücktrittsforderungen. Es sei denn, die FDP würde darauf bestehen, das wäre dann eine neue Situation.

Noch sind Sie ja im Amt. Sie könnten jetzt endlich das Gesundheitswesen umkrempeln und ökonomischer gestalten. Krankenhausschließungen liegen Ihnen doch so sehr am Herzen.

    Anzeige

Das ist etwas verkürzt dargestellt. Aber nur weil Omikron weniger verheerend ist als frühere Varianten, heißt das nicht, dass ich Zeit für anderes finde. Die letzten Wochen waren furchtbar. Auch mich beschäftigt die Lage in der Ukraine. Dieser Krieg muss sofort aufhören. Wir brauchen dringend einen Regimechange in Russland!

Spricht hier das Regierungsmitglied Lauterbach oder der Twitterer?

Beide. Putin hasse ich wirklich. Sie sehen doch die Nachrichten, die Talksendungen, die Sondersendungen: überall nur Ukraine, Ukraine, Ukraine.

Seit Anfang April sind Sie aber wieder häufiger zu sehen. In der »Tagesschau« waren Sie gestern auf Platz eins der Meldungen.

Es gibt zweifellos Fortschritte. Wie die ukrainische Armee dränge ich Putin immer weiter aus meinem Territorium hinaus. Aber ich werde erst zufrieden sein, wenn ich die Nachrichten komplett zurückerobert habe.

CD

    Anzeige

Weitere Beiträge

  • Ein Anruf bei Mathias Döpfner
    Herr Döpfner, eigentlich sind Sie ja der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Medienimperiums, Sie fallen aber auch immer wieder durch satirische Auftritte auf.
  • Der Mikro-Zensus
    Ach! Sind es nicht die winzigen Dinge, die uns im Leben glücklich machen?
  • Billig produziert
    Der deutsch-französische Kultursender Arte hat Anfang Juli die Doku »No Sex« über Menschen, die …
  • Ein Anruf bei Olaf Scholz
    Sie kennen Johannes Kahrs nicht?
  • Bau auf, bau auf!
    Neulich stolperte ich so unglücklich über den herumliegenden Gartenschlauch, dass ich beschloss, ihn sofort mit einer Halterung an der Hauswand zu fixieren.
  • Ein Anruf bei Andrij Melnyk
    Herr Melnyk, Sie wurden von Ihrem Posten als ukrainischer Botschafter abberufen. Ärgern Sie sich darüber?
Jetzt kostenfrei Probelesen!

Testen Sie eine EULENSPIEGEL-Ausgabe!