Sprüche fürs Leben

Mütter prägen oft Sätze, die einen das ganze Leben lang begleiten. Wenn ich früher mit meinen Brüdern am Wochenende im Wohnzimmer saß und im Fernsehen den Spätfilm anschaute, öffnete sich die Wohnzimmertür einen Spaltbreit, Mutters Gesicht erschien und sie sagte: »Gell, ihr macht doch auch nicht mehr so lang.« Wir sahen den Western zwar trotzdem zu Ende, aber wenigstens mit schlechtem Gewissen.
Bei Familienfeiern hockte meist am späten Abend nur noch der harte Kern zusammen und bemühte sich, die übriggebliebenen alkoholischen Getränke vor dem Verderb zu retten. Die ausgelassene Stimmung erhielt meist einen Dämpfer, wenn meine Mutter im Türspalt erschien und ihren Spruch losließ: »Gell, ihr macht doch auch nicht mehr so lang.«
Egal ob wir Brüder uns beim Skat- oder Doppelkopfabend vergnügten oder ob ich mich später mit meiner Freundin auf dem Sofa amüsierte, stets kam Mutter und beendete ihren Tagesablauf mit diesem Spruch.
Meine Mutter ist jetzt schon sehr lange tot, aber ihr Spruch kommt mir noch oft in den Sinn. Heute Nacht habe ich sogar von ihrer Beerdigung geträumt. Das lag vielleicht daran, dass ich am Vorabend mit meiner Frau über die Endlichkeit des Seins gesprochen hatte. In meinem Traum war Mutters Sarg gerade heruntergelassen worden, da öffnete sich der Sargdeckel einen Spaltbreit, Mutter lugte hervor und sagte zu uns Trauernden: »Gell, ihr macht doch auch nicht mehr so lang.«
EH

Ähnliche Beiträge
- Pflicht zur Freude
Weil die Stimmung in ihrem Land so furchtbar schlecht war, hatte die Regierung eine geniale Idee: - Ein Anruf bei Mario Voigt
Herr Voigt, Sie sind Ministerpräsident von Thüringen, was muss man sonst noch über Sie wissen? - Klein, aber laut
Herr Dettelbach war ein großer Verfechter des Minimalismus. - Ein Anruf bei Till Backhaus
Herr Backhaus, in Ihrer Funktion als Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns haben Sie dem gestrandeten Wal Timmy … - Zum Glück privat versichert
Ich habe Achselhaare an den Beinen, haben die Ärzte festgestellt. Das muss operiert werden, bald schon. - When in Rome, …
Rom, Trastevere. Vor mir betreten zwei Frauen in Businesskostümen schreiend ein gut besuchtes Café in Bahnhofsnähe.


