Ein Anruf bei Markus Söder

Herr Söder, Atommüll nicht nach Bayern, Fracking nur in Niedersachsen und Windkraftanlagen mit viel Abstand zur bayerischen Landesgrenze: Für Ihre Energiepolitik haben Sie in letzter Zeit ähnlich viel Kritik einstecken müssen wie Friedrich Merz für sein angeblich versnobtes Fliegerhobby. Haben Sie beide deswegen Ihre Kräfte gebündelt?

Das kann ich mit einem ganz klaren Nein beantworten. Wir verstehen uns deswegen derart blendend, weil wir auch so eine ganze Menge gemeinsam haben. Zunächst einmal sind wir große Damen-Beachvolleyball-Fans, haben genetisch unerklärlich gutaussehende Töchter und wollen 2025 beide auf keinen Fall Bundeskanzler werden.

Aha! Das erklärt vielleicht, warum Sie sich vor der Landtagswahl in Festzelten für altbayerische Werte in Position bringen, während Sie einen Giftpfeil nach dem anderen in Richtung einer angeblich bayernhassenden Bundesregierung verschießen. Planen Sie nach einem Wahlsieg etwa so was wie ein Unabhängigkeitsreferendum?

Da kann ich Sie absolut beruhigen. Wenn überhaupt, plane ich frühestens 2026 ein Referendum über einen Anschluss der Bundesrepublik Deutschland an den Freistaat Bayern. Wenn das erfolgreich sein wird, und davon gehe ich aus, hätten wir plötzlich Zehntausende von Windkraftund Fracking-Anlagen auf unserem Staatsgebiet und das Atommüll-Endlager in Berlin-Mitte befände sich auch auf bayerischem Boden. Zack! Problem gelöst.

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Da scheinen Sie aber durchaus zweigleisig zu planen. Im politischen Berlin munkelt man, die CSU würde sich auch deswegen ständig als Mobbingopfer des Bundes inszenieren, um nach dem Vollzug der Wahlrechtsreform als »verfolgte Minderheit« exklusive Privilegien zu genießen.

Sie meinen, dass wir nach dem Streichen der Grundmandatsklausel, so ähnlich wie der Südschleswigsche Wählerverband, von der Fünf-Prozent-Hürde befreit wären und auch dann noch in den Bundestag einziehen dürften, wenn die CSU-Mitglieder sich bloß noch gegenseitig selbst wählen?

Genau das war gemeint, ja.

Verdammt! Woher wissen Sie das?

Von Friedrich Merz’ Beraterstab. In Teilen der Bundes-CDU wird nämlich befürchtet, einziger Grund für Ihre Liaison mit dem Schlaks aus Brilon könnte sein, dass Sie nach der Demontage von Armin Laschet für Ihre Agenda mal wieder einen nützlichen Idioten aus dem konservativen Lager brauchen. Was sagen Sie zu dem Vorwurf?

Auf Wiederhören.

PH

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