Der reuige Whistleblower

Peter interessierte sich sehr für Gehölze. Von früh bis spät hatte er nichts anderes im Sinn als Eichen, Buchen, Ulmen und Linden nachzustellen. Er studierte, untersuchte und beobachtete sie, machte sich eifrig Notizen und war schon bald dazu in der Lage, ihre kryptische Sprache zu entschlüsseln. Im Nu wusste er über ihre intimsten Neigungen und dunkelsten Geheimnisse Bescheid: Sie konsumierten gleich tonnenweise psychogene Pilze, klauten wie die Raben, hatten eine Vorliebe für Vergorenes und sahen dem Rotwild während der Brunftzeit mit vor Erregung raschelndem Laub heimlich beim Kopulieren zu. Nachdem Peter sein brisantes Wissen in einem lukrativen Bestseller mit Millionen von Lesern geteilt hatte, zog es ihn erneut in die Wälder. Doch wehe! Er wurde von schlagfreudigen Jungtrieben wütend an den Füßen gepackt und emporgehoben, damit man ihn mit Weidenruten geißeln und nach allen Regeln der Kunst über Stunden vermöbeln konnte.

Nachdem Peter den Gewächsen hoch und heilig versprochen hatte, sich in Zukunft aus ihrer Privatsphäre herauszuhalten, ließen sie von ihm ab, und er konnte unter Androhung eines qualvoll phytogenen Todes, sollte sich das Ganze je wiederholen, den Eifelhain humpelnd verlassen. Und damit dürfte auch das Rätsel um den etwas seltsamen Titel von Peter Wohllebens neuem Buch »Das geheime Leben der Kunststoff-Weihnachtsbäume« endlich gelöst sein.

PH

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Kolumnen

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