… ganz Frau und trotzdem frei zu sein

UNSERE BESTE

Von MATHIAS WEDEL

Hey, jetzt ist es raus!«, schrie der erste. »Du warst von Anfang an das Opfer einer frauenfeindlichen Kampagne!«, jubelte der nächste. »Und das für unsere Partei durchgestanden, das mit allen Fasern deines elastischen, lasziven Körpers abgewehrt zu haben – Respekt, Schätzchen!«, triumphierte der dritte.

So oder ähnlich muss es sich abgespielt haben. Die Parteispitze feierte ihre überlebende Vorsitzende. Die wegweisenden Männer bei den Grünen – der nuschelnde Robert, der brummelnde Anton und der altersspitze Jürgen – überschlugen sich vor Begeisterung und Dankbarkeit. Auch den noch nicht geopferten Frauen – der bigotten Katrin und der flatternden Claudia – stieg freudige Röte ins Gesicht. Um ein Haar wäre es zu Knuddelattacken gekommen (aber Corona!).

Zeichnung FRANK HOPPMANN

Annalena strahlte über beide Backen. Ja, sie war durchs Feuer gegangen für die gemeinsame große Sache, die Rettung der Gattung Mensch innerhalb der laufenden Legislaturperiode! Natürlich war es kein Zufall gewesen, dass »jemand« (führen die Spuren nach Moskau?) ihr Büchlein »Annalena. So wurde ich zur Frau« gelesen hatte. Das geschah reineweg aus Frauenhass, und der ist die Vorstufe zum Femizid – kein Aas liest doch sonst Politikerbücher.

Und ja! Es fühlt sich gut an, Opfer zu sein und der Demokratie, der Herzenssache, manch Juwel der Zerknirschungskultur hinzugefügt zu haben wie: Ich selber ärgere mich am aller-, allermeisten! … Aus Fehlern lernt man, ja, man reift an ihnen wie ein Apfel im Sonnenlicht zu süßer Fülle! … Oh, es schmerzt, es tut so wehe! … Ich könnte mich selbst in den Hintern beißen … usw. usf.

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