Weiße Pracht, so weit das Auge reicht
Es gibt sie wieder, die weißen Flecken auf der Landkarte – diesmal zusätzlich schwarz-rot gestreift. »Rechte Landnahme« nennen Behörden das Phänomen, bei dem Neonazis und rechtsextreme Gruppierungen gezielt Immobilien als Versammlungs- oder Rückzugsorte kaufen und durch die Inbesitznahme von Gehöften autarke Siedlungsstrukturen schaffen wollen. Der EULENSPIEGEL hat ein Dorf besucht, in dem dieser feuchte Traum eines jeden Nationalromantikers bereits Wirklichkeit geworden ist. Willkommen im sächsischen Kotsuhle, das neuerdings als »Großdeutschland« von sich reden macht!

»Hey!« Siggi Sieg brüllt einem Auto mit auswärtigem Kennzeichen hinterher, das in einer Geschwindigkeit von knapp 50 km/h an ihm vorbeifährt: »88er-Zone!« Kotsuhles Wutbürgermeister steht im Ortszentrum der Oberlausitzer Kleinstgemeinde im Landkreis Görlitz. Der grobschlächtige Mittvierziger mit dem kahlrasierten Quadratschädel enthüllt in seinen samtenen Quarzhandschuhen vor versammelter Dorfgemeinschaft feierlich ein neues Straßenschild.

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