Der pilgernde Schatten

Drei Wochen war Arndt jetzt schon auf dem Jakobsweg unterwegs. Ob es regnete, stürmte oder die Sonne schien, jeden Tag mühte er sich nach Kräften, in den Fußstapfen seines Lieblings-Apostels zu wandern. Dann geschah es plötzlich. Gerade als er meinte, er hätte zu ihm aufgeschlossen und ein Zipfel seines wundersamen Gewands sei zum Greifen nah, wirbelte der Patron auf den Absätzen herum. »Was soll das eigentlich, verdammte Hacke?«, schrie er Arndt an. »Hör endlich auf, mir nachzulaufen, du Psycho!«

Arndt stutzte. Was wollte sein himmlischer Mentor ihm damit wohl sagen? Dass, wenn ihn jemand hart anging, er dem Wüterich auch seine andere Wange hinhalten solle? Oder ihn gar lieben, sei er noch so mürrisch, feindselig und grob? Arndt spürte dem Gedanken gerade intensiv nach, als die wuchtige Ohrschelle des Mannes in Gelb ihn in den nächsten Vorgarten katapultierte. Vielleicht, aber nur vielleicht, dachte der Geschlagene, nachdem die Sternchen vor seinen Augen das Funkeln eingestellt hatten, machte es aber auch Sinn, Jakob, dem Postboten, bei dessen Morgenrunde durch Castrop-Rauxel vorerst nicht mehr in die Quere zu kommen.

PH

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