Das Powerpoint-Ungeheuer

Unsere Besten

Von CARLO DIPPOLD

FRANK HOPPMANN

Zu früheren Zeiten war Fußball eine eher primitive Angelegenheit. Schneeregen, matschige, kaum noch als Rasen erkennbare Spielfläche und zweiundzwanzig Männer, die um jeden Einwurf kämpfen und das Allerletzte aus sich herausholen – so liebte der Fan seinen Fußball. Einfach und ehrlich, so musste er sein. Und wenn der Linienrichter Fehler machte, hatte er dafür gerade zu stehen und musste sich nicht wundern, wenn er mit Bier oder Schnaps übergossen und mit brennenden Feuerzeugen beworfen wurde. »Bolzen«, »Holzen« und »Krieg auf dem Rasen« waren früher dementsprechend die passenden Ausdrücke. Was zählte, war einzig und allein die Leistung. Doch gottlob sind diese Zeiten vorbei. Der Fußball hat sein Proleten-Image abgelegt. Zu verdanken hat er das unter anderem Männern wie Oliver Bierhoff. Bierhoff ist zu so etwas wie dem seriösen und professionellen Gesicht des deutschen Fußballs geworden. »Fußball ist eine kommerzielle Angelegenheit«, sagt eines der sieben Millionen Mitglieder des Deutschen Fußball-Bundes, das lieber anonym bleiben möchte. »Es wäre verlogen, so zu tun, als ginge es dabei nur um den Spaß am Kicken. Es geht um Geld. Und kein Gesicht sieht käuflicher aus als das von Oliver Bierhoff.«

Wer aus dieser Aussage eine leise Kritik heraushört, liegt nicht falsch. Viele Fans sehnen sich zurück nach einer Zeit, in der Funktionäre von Sportverbänden ihre Entscheidungen noch aufgrund von Sympathien und Freundschaften fällten, ohne die heute übliche undurchsichtige Vermittlung über Agenturen, Berater und komplexe Sponsorenverträge.

Weiter geht es in der EULENSPIEGEL Ausgabe 01/2021

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