Das Arschloch

Unsere Besten

Von MATHIAS WEDEL

Jetzt bin ich hier wieder das Arschloch« – eine tiefe, gleichwohl resignierende Einsicht nach langen, schmerzhaften Erfahrungen mit dem eigenen Ich und Über-Ich? Nein, eine Selbstanklage! Wohl die härteste, kompromissloseste in der langen Reihe verzweifelter Schuldbekenntnisse kommunistischer Führer vor einem Parteitribunal. Fast nie waren die von Erfolg gekrönt – die »Geständigen« landeten vor dem Erschießungskommando oder im Arbeitslager. Bodo Ramelow jedoch, einer der spitzesten Spitzenkräfte der Kaderpartei DIE LINKE, ist weiterhin auf freiem Fuß! Und fußläufig, ja tänzelnd erreicht er allmorgendlich auf sechs Pfoten (seine und die seines Terriers Attila) die Erfurter Staatskanzlei, lässt sich am Schreibtisch nieder, während sich das Tier in seinem Kuschelkörbchen zusammenrollt.

FRANK HOPPMANN

Warum DIE LINKE, die Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, Ramelow ungeschoren lässt? Vielleicht sagt sich die Parteiführung: Arschlöcher können wir nie genug haben. Vielleicht aber ist sie auch wie erstarrt angesichts der ungeheuren Welle der Sympathie, die Ramelow nach seiner Selbstkritik angesichts der sogenannten Clubhouse-Affäre überspülte. Denn zur Arschigkeit bekannte sich das Schlitzohr nicht vor einem Schnellgericht im Karl-Liebknecht-Haus, sondern vor Tausenden, wenn nicht Hunderttausenden Usern an den Lautsprechern ihrer Computer, also quasi vor der deutschen Bevölkerung (sofern sie über Apple-Geräte verfügt).

Weiter lesen Sie im EULENSPIEGEL 03/2021.

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