Ein Anruf bei Gerhard Schröder

Herr Bundeskanzler a.D., spätestens seit Ihrer Aussage, Putin sei ein lupenreiner Demokrat, gelten Sie als nur bedingt zurechnungsfähig. Meinten Sie das ernst oder hat es andere Gründe, dass Sie freiwillig als Putin-Marionette auftreten?
Seit den Reformen der rot-grünen Regierung Anfang der Nullerjahre habe ich panische Angst vor Altersarmut. Seitdem heißt es doch: Jeder kümmert sich selbst um seine Altersvorsorge! Wenn die Rente nicht reicht, muss man sich was dazuverdienen, solange es geht. Und das habe ich verinnerlicht.
Was verdienen Sie denn? Oder besser: Was bekommen Sie denn?
Von Deutschland erhalte ich 8000 Euro im Monat Ruhegehalt, die zusätzlichen 550 000 im Jahr sind zweckgebunden, für Büro, Dienstwagen und Angestellte. Von Russland dagegen bekomme ich 600 000 im Jahr für das Herumsitzen im Aufsichtsrat von Rosneft, 250 000 für meine Tätigkeit im Aktionärsausschuss von Nord Stream 2, und wegen des anvisierten Postens bei Gazprom stehen wir noch in Verhandlungen. Dass ich da aktuell ranklotze, um möglichst viel rauszuholen, sollte jeder verstehen. Ich will mich da als Arbeitnehmer von meiner besten Seite zeigen.
Woher kommt dann der Unmut selbst mancher Parteigenossen?
In Deutschland gibt es weitverzweigte US-amerikanische Einflussnetze. Da irrlichtern US-Schoßhündchen wie Sigmar Gabriel und Norbert Röttgen um die Wette, und Gas-Lobbyisten wie Joe Biden werden hofiert. Die Laufburschen der Amis machen auch nur ihren Job.
In Leitartikeln wird Ihnen regelrecht Landesverrat vorgeworfen. Mancher würde Sie am liebsten hängen sehen. Mal ehrlich: Wollen Sie Deutschland schaden?
Eine ungeheuerliche Verleumdung! Sie wissen ganz genau, was ich als Kanzler für die deutschen Finanzinstitute und die Versicherungsbranche dieses Landes geleistet habe.
Und wollen Sie der SPD schaden?
Auch das ist Blödsinn! Ich habe vielmehr das Profil der SPD geschärft als eine Partei, die die kleinen Leute fordert, wo sie nur kann. Wenn ihr das geschadet hätte, wäre mein ehemaliger Generalsekretär wohl kaum der amtierende Kanzler.
CD
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