Meuterei auf der Bundesebene

UNSERE BESTEN

Andreas Koristka

Auf ein beherztes Klopfen hin öffnet sich Hendrik Wüsts Bürotür einen Spaltbreit. »Das Losungswort!«, verlangt eine Stimme aus dem Inneren der Machtzentrale des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Erst als dieses gesprochen ist (»Transformation und Teilhabe«), geht die Tür vollends auf. Freundlich bittet Wüst in seinen Arbeitsraum.

Drinnen sieht es aus wie in einer typischen Aufrührer-Höhle eines Rebellen der politischen Mitte. Auf dem Schreibtisch steht ein Korb mit Blumen und einem rosa Gartenzwerg, den Wüst zum Tag des Gartens von der Verbandspräsidentin des »Landesverbands Gartenbau NRW« geschenkt bekommen hat. Das ist der Umgang, den Wüst eigentlich gewohnt ist.

Frank Hoppmann

Jetzt ist er das Oberhaupt einer Bande von Verschwörern gegen den unbeliebtesten Kanzler Deutschlands seit Franz von Papen. Wüst hätte den Blumenkorb schon längst weggestellt, doch der Gartenzwerg scheint ihm das geeignete Mittel, um sich im Falle, dass die ganze Sache schiefgeht, selbst richten zu können. Wenn die Merz-Schergen kommen, um ihn zu holen, dann will er sich mit der spitzen Zipfelmütze kurz und schmerzlos ins Herz stechen. Er hofft, dass es so weit nicht kommen wird.

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