Ein Anruf bei Paul Ronzheimer

Guten Tag, Herr Ronzheimer, Ihre Telefonnummer haben wir von Ihrer Putzfrau, der wir im Treppenhaus aufgelauert haben. Das ist sicher okay für Sie als stellvertretenden Chefredakteur der BildZeitung.

Ähm, sicher. Gute Arbeit.

Ihr Chef Julian Reichelt sieht sich in einem unternehmensinternen Verfahren Vorwürfen von mehreren Frauen ausgesetzt. Hätten Sie ihm das zugetraut?

Nein, wirklich nicht. Julian war ein ganz normaler Chefredakteur. Er hat jeden Morgen freundlich gegrüßt. Manchmal haben wir in den Pausen Tischtennis gespielt. Dass er sich unflätig gegenüber Damen benommen hätte, habe ich nie mitbekommen.

Gab es da gar keine Anzeichen? Vielleicht ein Lustfleck auf der Hose, wenn er in der Redaktionssitzung wieder mal eine Kollegin zusammengeschrien hatte?

Mir ist nichts aufgefallen. Bei seinen anlasslosen Wutausbrüchen hat er sich immer ausnahmslos korrekt verhalten.

Hatte Reichelt viele Frauengeschichten?

Hier und da hat man gemunkelt. So etwas geht einen als Kollegen aber natürlich nichts an. Deshalb habe ich dahingehend auch wenig mitbekommen.

Was waren Reichelts sexuelle Vorlieben?

Dazu kann ich wirklich nichts sagen. Aber als Kriegsreporter muss ich natürlich erwähnen, dass im Krieg und in der Liebe alles erlaubt ist. Und man darf das dann mit seinem Handy filmen und ins Internet stellen.

Mochte er Sadomaso-Sachen?

Manchmal hat er lustvoll gestöhnt, wenn er die neue Kolumne von Franz Josef Wagner gelesen hat. Das ist alles, was ich dazu sagen möchte.

Das lässt auf eine gestörte Sexualität schließen.

Kann es sein, dass Sie das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken möchten?

Was sagt Reichelts Mutter zu den Vorwürfen? Hat sie geweint?

Keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht.

Hat die Gefühlskälte seiner Mutter Reichelt zu dem Bums-Boss werden lassen, der er ist?

Das Niveau dieses Gesprächs gefällt mir nicht.

Dürfen wir Sie damit zitieren, dass Sie es für möglich halten, dass Julian Reichelt ein perverser Triebtäter sein könnte?

Nein.

Wir bedanken uns für das Gespräch beim Null-Ahnung-Arbeitskollegen des Rammel-Redakteurs.

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