Der Fluch

Jeder legt sich seinen persönlichen Stein auf das Herz, exotische Dufthölzer brennen, der Raum füllt sich mit Rauch. Auf meiner Brust drückt ein kantiger Pflasterstein (der einzig auffindbare in Berlin-Mitte). In einer schamanischen Zeremonie lerne ich physische, emotionale und spirituelle Traumata zu lösen sowie das Energiefeld von energetischen Abdrücken zu befreien. Wie? Die Schamanin fuchtelt mit einer Feder, zischt, murmelt, untermalt das Ganze mit rhythmischem Rasseln und spuckt fauchend eine grüne Flüssigkeit auf mich – und zwar auf Spendenbasis.
Gelöst und frei von energetischen Abdrücken dringt meine prekäre Lage an die Oberfläche des Bewusstseins: Wie viel spende ich? Wenn am Schamanismus etwas dran sein sollte – angespuckt und mit Pflasterstein fühlt es sich gerade sehr danach an –, werden geizige Schwingungen sicherlich in meinem Energiefeld sichtbar. Und dann gnade mir Gott! (Bzw. eine andere Schamanin, um den Fluch mühsam wieder aus meinem energetischen Feld zu hieven.) Und wie viel Trinkgeld bekommt eine Schamanin neben der Spende? Oder wäre das in der Spende schon inbegriffen?
Ich wechsle einen Zwanziger und lasse dann doch alles im bunten Flechtkorb. Zur Belohnung reicht mir die Schamanin ein energetisches Schutzband – aufatmen! Das war knapp.
Warum ich da überhaupt mitgemacht habe? Naja, schließlich war das Ganze so günstig – auf Spendenbasis.
MAG

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