Stark behaart, jedoch apart
Von Gregor Olm
Und ich sagte noch: »Rudi, mit dem Rollator und der Kiste Selters vorn im Korb kannst du nicht auf die steile Treppe, das ist ungünstig.«
Doch Rudi wollte nicht auf mich hören, und nun stehe ich an seinem Grab. Summa summarum war er aber ein guter Mann. Fünfundzwanzig Jahre älter als ich, aber noch ungemein vital, dabei zärtlich und stets aufmerksam, von der Sache mit der steilen Treppe mal abgesehen. Nur das mit seinem Hobby, Verkehrssünder anzuzeigen, war mitunter eine Belastung: die vielen Morddrohungen, die Entführung unserer Tochter und den Anblick der rauchenden Trümmer unseres niedergebrannten Gartenhauses werde ich wohl niemals vergessen.

»Wäre doch nur diese verdammt steile Treppe nicht gewesen! Es ist, als hätte Lord Satan höchstselbst seine Hände im Spiel gehabt. Wir wollen nun gemeinsam beten – auch wenn es vermutlich zu spät dafür ist –, dass Rudi Kerbels arme Seele auf ihrem Wege zum Herrn nicht vom unheiligen Vasallenheer Luzifers abgefangen und in die Hölle verschleppt wurde.«
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