Der Heilsbringer
UNSERE BESTEN
Mathias Wedel
Manchmal fängt ein Leben ganz possierlich an … aber dann! Da wird in einer Novembernacht des Jahres 1973 in einer Kate bei Hildesheim ein Knabe entbunden – man gibt ihm (denn die Mutter ist Studienrätin) den Namen Hubertus, althochdeutsch für »der glänzende Geist«, vulgo »Geistesblitz« – und die Hütte ist voller Wonne. Aber dann! Dann verlässt der Papa die kleine Familie, lässt aber auch was zurück – Schulden.
Notgedrungen verziehen Mutter und Kind nach Peine. Da biegt der Pfad des Lebens scharf ab. Dort wächst der Knabe in einem Neubaublock auf, quasi in einem Wohnsilo! Alleinerziehend die Mutter, knapp das Geld, und das alles Anfang der 70-er in Niedersachsen! Da lag die soziale Frage schon morgens auf dem karg belegten Schulbrot. Da hatte der kleine Geistesblitz keine Wahl – er wurde Sozialdemokrat von Beruf.

Inzwischen sind einige Jahrzehntchen vergangen, und aufs Ganze gesehen kann man sagen: Der Berufsdemokrat hat sich wacker geschlagen. Schon im zarten Alter von 25 saß er für die SPD im Bundestag. Bis zum heutigen Tage. Immer für den Wahlkreis Gifhorn – Peine. Von seinem ersten Gehalt hat er sich eine Platte von den »Ärzten« gekauft, also weder Rex Gildo noch Roy Black. Was man werden konnte, ist er geworden: zweimal Generalsekretär der SPD, stellvertretender Parteivorsitzender, Stuhlinhaber mit persönlichem Sitzkissen in diversen Ausschüssen, Minister mit personengebundener Limousine unter zwei Kanzlern (Merkel und Scholz) und das alles, ohne ausfällig oder auffällig geworden zu sein …
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