Homonymität

In der optimalen Gesellschaft, die mir vorschwebt, sollte totale Homonymität vorherrschen. Ein Wort für alles reicht meines Erachtens vollkommen aus. Die Unterscheidung von Begriffen anhand ihrer äußerlichen Form scheint mir bei ihrer rasch steigenden Anzahl zunehmend verwirrend und für die Alltagsanwendung zu kompliziert.
Symptome dieses Missstandes begegnen dem aufmerksamen und leicht gereizten Beobachter ständig in Form von Verwechslungen offenbar ähnlicher Begriffe (z. B. »Klaustrophobie« und »Platzangst«, »Arzt« und »Google«), aber auch gegensätzliche Begriffe werden durcheinandergebracht (z. B. »rechts« und »links«, »dumm« und »gehtso«).
Hinzu kommt, dass die meisten Aussagen ohnehin zumindest in wesentlichen Teilen falsch oder uninteressant sind. Als Ersatzwort schlage ich daher »Noffmo« vor, das klingt shmoov und ruft nachweislich keine Assozi- und Konnotationen hervor (Weird scientist, 10/26, S. 1ff). Oder »Blopf«.
Die Übergangsphase sollte sanft gestaltet werden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken. In einer ersten Phase wird nur jedes zweite Wort durch »Noffmo« ersetzt (z. B.: »Noffmo liebe noffmo!« oder »Ich noffmo dich noffmo.«), außerdem bekommt man für jede Noffmo-Benutzung einen Donut als Belohnung, das muss aber noch detaillierter geplant werden. Wie ein Traum aus rosawarmem Schaumstoff soll sich die Übergangsphase anfühlen. In der zweiten, finalen Phase lautet schließlich jedes Wort »Noffmo«, oder wie William Shakespeare in »Hamlet« schreibt: »Noffmo noffmo noffmo, noffmo noffmo noffmo noffmo noffmo.«
HW

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