Solei
Von Gregor Olm
»Ein normaler Tschernobyl-Liquidator hatte nur vierzig Sekunden Zeit, das radioaktive Zeug vom Reaktordach zu beseitigen, aber bei mir haben die Russen gleich festgestellt, dass ich was abkann. Ich war manchmal stundenlang mit Kehrschaufel und Besen da oben, hab da oft seelenruhig meine Stullen gegessen.«
»Du wirkst ja auch irgendwie verstrahlt«, sage ich zu Flunker-Fiete, der ein Felix Krull des Rinnsteins ist, während ich mich am Zapfhahn abmühe, aus dem es heute so spärlich rinnt, als hätte er was mit der Prostata. Angeblich hat Fiete auch Schulter an Schulter mit Freddy Quinn in der französischen Fremdenlegion gekämpft. Dabei hatte der Freddy in Nordafrika nur in Bars seine wehmütigen Liedchen für die Legionäre geträllert, viel mehr war nicht. Und das zu Zeiten, wo Flunker-Fiete, Jahrgang 1962, noch längst nicht im Bauch seiner Mutti schwamm.

»Hör mal, du Laus von einem Kneipier, machst du dich über mich lustig?«, wird Fiete tückisch. »Ich stech dich nieder! Kannst du mir mal eben helfen, mein Taschenmesser zu finden?« Während er schwankend in seiner Herrenhandtasche aus Krokodillederimitat kramt, rücke ich mir den Baseballschläger unterm Tresen in Position.
»Zwo Gedeck und zwo Soleier für Glockenglotzer-Gustav und Futenfresser-Fritzchen!«, schreit Gesi in meine Richtung und gegen das aus den Boxen plärrende »Cheri, Cheri Lady« an. »Und du musst das jüngst Hochgewürgte auf dem Klo wegmachen, mir ist gerade nicht so danach.«
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