Mental untauglich
Von Mathias Wedel
»Da hat der Gauck uns aber vor’n Koffer geschissen!«, frohlockte der Mann, der in der Bahn immer laut die Schlagzeilen der Bild-App kommentiert. »Unerhört!«, rief ich, »den Koffer nehmen Sie sofort zurück!«
Weiter kamen wir nicht – in Biesenthal steigt er immer aus … »Der Gauck« – für Leute, die schon zu Vorbeugeuntersuchungen gehen, ist er ein alter Bekannter, der Mehrheit unserer Leser sagt der Name jedoch sicherlich nichts. Also, wie soll man ihn diskreditieren, ohne ihm Unrecht zu tun?

Einst war er Pfarrer – der schönste Job in der DDR, denn man musste nicht in der Gewerkschaft und nicht bei der Kampfgruppe der Arbeiterklasse mitmachen und hatte doch einen Draht nach oben. Später, nach einer wirren geschichtlichen Episode, hat er jahrelang den – dann schon durchgehend westdeutschen – Medien quasi täglich einen Ostdeutschen zur Hinrichtung angeliefert, streng aktenbasiert, versteht sich. Das machte er so fabelhaft, so zuverlässig, dass man, als einmal Personalnot herrschte, ihn auf den Thron der Demokratie hob – ins Präsidentenamt. Von dort aus sagte er allerlei gediegen hübsche Sachen, meistens über die Freiheit. Doch während alle großen Staatsmänner von Napoleon bis Ulbricht kleine, eingängige Spruchweisheiten hinterlassen haben – von Gauck? Nichts! Tote Hose!
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