Von der Hand in den Gmund
Das System Weimer
Von Florian Kech
Leise rieselt der Schnee auf das Hofgut Kaltenbrunn. Im Tal starrt friedlich der Tegernsee. Auf dieser exponierten Lage des Örtchens Gmund ist es an diesem winterlichen Vormittag so still, dass man eine oberbayerische Verdienstnadel fallen hören könnte. Doch die Gruppe, die sich zwischen Hotel und Stallung versammelt hat, will die Stille, die nur den Tätern nutzt, durchbrechen. Zum ersten Mal seit den Enthüllungen um das System Weimer sind mehrere Opfer an den Tatort zurückgekehrt. Markus S., Ricarda L., Alois A., Saskia E. und Wolfgang K. wollen ihr Schweigen brechen. Halt gibt ihnen eine erfahrene Traumabegleiterin.

FOTO: ADOBE STOCK
Die Zusammenkünfte, die hier stattfanden, nannten sich harmlos »Ludwig-Erhard-Gipfel«. Sie hätten vermutlich auch dem Namensgeber gefallen, denn der Markt regelte hier Angebot und Nachfrage. Wirtschaftsbosse hatten die Wahl. Sie konnten sich einen Spitzenpolitiker beziehungsweise Politiker in Spitzen buchen, um mit ihm eine ganze »Executive Night« lang zu tun und zu lassen, was sie wollten.
Organisatorin dieses obszönen Hinterzimmerformats war und ist die Weimer Media Group, ein kompliziertes Geflecht aus Firmen, Tochter-Firmen und Großcousin-zweiten-Grades-Firmen. Bis vor Kurzem Chef des Geflechts: Noch-Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Viel wurde bereits über den Täter geschrieben.
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