Neues aus der Artenkunde

Professor Krautwurm war ein genauer Beobachter, aber das gehörte sich auch so für einen Lehrstuhlinhaber am Institut für Dings und Bums. Als solcher fühlte sich Krautwurm praktisch für alles zuständig, was im täglichen Leben vorkam.
Es verwunderte deshalb auch nicht, dass er irgendwann anfing, sogar die Systematik der biologischen Arten in Frage zu stellen. Und tatsächlich konnte man sich seinen Argumenten kaum verschließen. Zum Beispiel, wenn er am Kabinettstisch mancher Weltführer Kriechtiere ausfindig machte. Oder wenn er den allgemein bekannten Triebtäter Alois A. aus B. als G. einstufte. Also als Gliederfüßer. Mitunter stimmten sogar Betroffene aus Protest den Forschungsergebnissen des Professors zu. Wie etwa ein zu lebenslänglich Verurteilter, den Krautwurm allein schon wegen der räumlichen Gegebenheiten für einen Einzeller hielt.
Insgeheim hatte Krautwurm sich selbst auch schon neu einsortiert. Er blieb zwar bei den Wirbeltieren, hielt sich aber in Wirklichkeit für einen Hund. Das entsprach nämlich seinem Wesen, wie er fand – treu, furchtlos, arbeitswillig und aufmerksam. Seine Frau wollte davon allerdings nichts wissen. Er wedelte ihr einfach zu oft mit bestimmten Körperteilen.
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