The working dead
Von Florian Kech
So hat sich Jürgen Herzsprung seinen Ruhestand nicht vorgestellt, wenn er ehrlich ist. Aber er meint es auch fast genauso ehrlich, wenn er seit seiner Rückkehr in die Firma behauptet, dass er total glücklich sei, sich im Alter noch einmal nützlich machen zu können und einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten und den obszönen Wohlstand seines Arbeitgebers mehren zu dürfen. Arbeit stifte Sinn und halte ihn acht Stunden von seiner Familie fern. »Was will man mehr?«, fragt Herzsprung, der es eilig hat, denn er muss dringend den Fachkräftemangel ausgleichen.

Deutschland steht still. Der einstige Wirtschaftsmotor brummt schon lange nicht mehr, man wäre schon froh, wenn er wenigstens stottern würde, doch er röchelt nur noch elendig vor sich hin – und das alles, weil es an allen Ecken und Enden an arbeitswilligem und ausbeutungsbereitem Personal fehlt.
In Herzsprungs Firma, einem traditionsreichen Hersteller von Zahnrädern und Zahnprothesen, einem echten »Hidden Champion« – mit einer Betonung auf »Hidden« –, ist seit längerem die halbe Werkshalle verwaist. Zwischenzeitlich dachte die Geschäftsleitung sogar darüber nach, in der Halle Klee anzusäen, um wenigstens EU-Brachlandprämien beantragen zu können. »Unsere PVC-Böden entsprachen dann allerdings nicht den Brüsseler Umwelt – standards«, bedauert Herzsprung.
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