Der Ballon

Aufgeregt zeigte ich meiner Frau einen Ballon am Himmel. Das war bestimmt ein Spionageballon der Chinesen!
Aber sie schüttelte nur den Kopf und meinte, das sei ein ganz normaler Heißluftballon.
Ich rannte aufgeregt durch die Wohnung. Irgendwo musste etwas sein, mit dem man schießen konnte. Ein Gewehr. Nein, wir besaßen keins. Das hatten wir nun von den harten Waffengesetzen in diesem Land. Nichts und niemand konnte hier einfach mal so zur Waffe greifen. Ein Gummiring. Eine Papierkugel. Ich stürmte vors Haus und schoss damit auf den Ballon. Nichts. Und währenddessen, ich sah es vor meinem inneren Auge, standen chinesische Spione im Ballon und lachten mich und meine Technologie aus. Sie konnten alles sehen. Sogar die Ziegel unseres Hauses.
Europa war verloren.
Währenddessen winkten mir die Chinesen zu. Sie waren klein, so klein, dass sie von hier unten wie Ameisen aussahen. Sie winkten doch, oder? Vielleicht verhöhnten sie mich auch. Oder sie gaben sich als ahnungslose Touristen aus. Mich täuschten sie nicht. Um alles getan zu haben, was man tun konnte, rupfte ich noch einige Grashalme ab und warf sie nach ihnen. Sinnlos.
Im nächsten Moment verschwanden sie. Sie konnten sich also auch unsichtbar machen mit Hilfe fliegender Watte. Ich hätte es ahnen müssen. Modernste Technik. Vermutlich hatten sie sogar ein Fax an Bord. Das hätten wir Deutsche nie hinbekommen.
Traurig lief ich zurück. Aber es würde bestimmt noch einer kommen. Und den würde ich dann vom Himmel holen.
GR
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