Draußen zu Hause

Reinhold war ein Riesen-Fan von funktionaler Outdoor-Bekleidung. Bei seinen Ausflügen ins Freie trug er unter seiner atmungsaktiven Sportunterwäsche mit Anti-Mief-Technologie stets wärmeregulierende Hodenwärmer aus kratzfreier Microfaser. Seine vorgewachste und nachimprägnierte Hardshelljacke mit Kapuze in Yetifell-Optik hielt laut Hersteller selbst ergiebigsten Wolkenbrüchen stand, während die Stretch-Tourenhose dank beidbackigem Gesäßabriebschutz auch bei plötzlichen Geländeabgängen maximale Bewegungsfreiheit gewährleistete. Reinholds steigeisenfeste Höhen-Bergstiefel, fußpilzhemmende Kompressionsstrümpfe und die atmungsaktive Sturmhaube rundeten sein hochalpines Erscheinungsbild eindrucksvoll ab.
So für alle Unwägbarkeiten gerüstet, öffnete er jeden Morgen in voller Montur die Tür. Dann trat er, von seiner Frau und den vier Kindern mit einem Statikseil gesichert, über die Schwelle und klaubte mit spitzen Fingern die Zeitung aus dem Briefkasten. Damit war Reinholds Ehrgeiz aber noch lange nicht am Ende! Wenn nächste Woche Kletterhelm und Felshaken eintrafen, würde er sich erst bis zum Basiscamp auf der Einfahrt und danach zu den Mülltonnen im Hof vorarbeiten. Das heißt, falls das Wetter ihm keinen Strich durch die Rechnung machte. Denn immerhin war es dann schon Mitte August. Und wer wusste, ob er für den Fall eines plötzlichen Wintereinbruchs nicht eine komplett neue Ausrüstung brauchte?
PH

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