Fläzen

Thomas fläzt gerne. Er fläzt für sein Leben gern. Nicht, weil er faul herumliegen möchte, sondern des Wortes selbst wegen, das es ihm so sehr angetan hat. So fläzt er sich bereits am Morgen an den Küchentisch, später in der U-Bahn fläzt er wieder, nur um an seinem Arbeitsplatz wieder zu fläzen, was man dort nicht gerne sieht. Weil man aber weiß, dass er im Grunde ein Streber, ein Aufrechtsitzer ist, lässt man ihn gewähren, denn das Fläzen betreibt er – alle flüstern es sich zu – nur des Wohlklanges wegen.
Wie Parfüm ist ihm dieses Wort. Wie ein Platz neben Gott selbst. Lernt er eine Frau kennen, sagt er am ersten Abend: »Ach, wie gerne würde ich mit dir fläzen.« Und nicht selten geschieht es. Sie bleibt über Nacht neben ihm auf dem Sofa, wo sie gemeinsam fläzen, bis sie vor Erschöpfung einschlafen.
Thomas hat das Fläzen zur Kunstform erhoben, sodass es niemanden verwundert, dass er im Todesfall fläzend beerdigt werden möchte. Man nickt und versichert ihm, dass schon ein Fläzchen auf dem Friedhof seiner harrt.
Beruhigt lehnt er sich daraufhin zurück und fläzt sich dem Jenseits entgegen.
GR

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