Angriff aus dem toten Winkel

Florian Kech

Ralf-Harald Röhrl blickt vom Wintergarten aus auf seinen Carport, den er liebevoll und aus gutem Grund »Rennstall« nennt. Normalerweise würde er jetzt mit seinem Mercedes-AMG 63 oder seiner BMW R 18 Transcontinental Gassi fahren. Doch normal ist schon lange nichts mehr.

Seit einiger Zeit traut sich Röhrl nicht mehr auf die Straße – wegen der wilden Horden an Fahrradfahrern. Jedes Mal, wenn wieder einer vorbeirauscht, zuckt er zusammen. »Die kommen mit einem Affenzahn angeschossen, dass man um sein Leben fürchtet«, klagt er. Dabei hat der kinderlose Junggeselle vor seinem Haus einen Schilderwald errichtet mit gut gemeinten Hinweisen wie »Langsam radeln! Spielende Kinder!« oder »Nur ein toter Radler ist ein guter Radler«. Seine Stimme zittert: »Aber ich kann noch so viele Schilder aufstellen, für diese Gesetzlosen gelten einfach keine Regeln!«

Teresa Habild

Röhrl ist kein Einzelfall. Fahrradfahrer erschüttern das Sicherheitsgefühl der Deutschen – mehr noch als Putin, Trump oder der Borkenkäfer. Neulich warnte der Spiegel: »Der viel beklagte Rüpel-Radler ist nicht nur ein Klischee« – genauso wenig wie der oft verurteilte Vehikel-Verbrecher oder der allseits gefürchtete Zweirad-Zombie. Laufend erscheinen neue Studien, die belegen, wie berechtigt diese German Bicycle-Angst ist. Laut einer depressiven Umfrage von »YouGov« sieht die Mehrheit der Bevölkerung in Radlern die gefährlichsten Verkehrsteilnehmer – noch vor Mähdrescherfahrern, Kampfdrohnenpiloten und unbemannten Rollatoren.

Lesen Sie jetzt online weiter:

    Anzeige

EULE+

Witzige Cartoons und bissige Satire per Newsletter

Melden Sie sich jetzt kostenlos an: