Ein Anruf bei FDP-Chef Christian Lindner

Herr Lindner, im Kampf um mediale Aufmerksamkeit haben Sie vor Kurzem gefordert, Deutschland müsse mehr Milei wagen. Wie war das gemeint?

Javier Milei hat in Argentinien eine disruptive Energie freigesetzt, die Deutschland fehlt. Ich bleibe trotz der mir entgegengebrachten Kritik dabei: Deutschland braucht einen grundlegenden und an vielen Stellen sogar disruptiven Politikwechsel.

Sie werben also für Zerstörung althergebrachter Strukturen und gleichzeitig um die Gunst der konservativen CDU als Koalitionspartner. Glauben Sie wirklich, dass sich Friedrich Merz als Kanzler den Stock aus dem Arsch zieht, um damit die Ihrer Meinung nach nötigen Zerstörungen herbeizuführen?

Nicht »Zerstörung«, sondern »Disruption«! Das ist ein ganz anderes Wort. Außerdem habe ich meine Aussage bezüglich der Vorbildhaftigkeit des mit der Kettensäge hantierenden Milei bereits relativiert. Ich möchte deshalb an dieser Stelle mein Statement wiederholen: Wir brauchen vielleicht keine Kettensäge, aber statt der Nagelfeile sollten wir zur Heckenschere greifen.

Satire & Humor: Jeden Dienstag und Donnerstag im Newsletter!

Das heißt also, mit Ihrer Heckenschere und dem aus dem Rektum von Merz stammenden Stock könnte die Disruption gelingen?

Hören Sie bitte auf, diesen imaginären Stock in meine gelungene Metapher einzubeziehen! Das ist sehr unappetitlich. – In meinem Bild steht die Kettensäge für den radikalen Wandel, die Nagelfeile steht für die deutsche Verzagtheit und die Heckenschere für die vernünftige Mitte.

Na, Sie sind mir ja ein disruptiver Punk! Ist der kompromissbereite Mittelweg nicht eher Sache der SPD? Kaum etwas ist doch spießiger als die Heckenschere. Da sieht man vor seinem inneren Auge sofort Boris Pistorius mit geblümten Gartenhandschuhen und Strohhut.

Ich habe auch schon mal eine Heckenschere benutzt! Und ich bleibe dabei: Mit der Heckenschere lassen sich gezielt die richtigen Triebe entfernen, um neues gesundes Wachstum zu ermöglichen.

Apropos Heckenschere und gesundes Wachstum: Forsythien – schon im Februar beschneiden oder erst nach der Blüte?

Das muss jeder selbst entscheiden. Als FDP stehen wir auch für die Freiheit ein, dass jeder seine Forsythien schneiden kann, wann, wie und so oft er oder sie will.

GF

    Anzeige

Kolumnen

  • Zum Glück privat versichert
    Ich habe Achselhaare an den Beinen, haben die Ärzte festgestellt. Das muss operiert werden, bald schon.
  • When in Rome, …
    Rom, Trastevere. Vor mir betreten zwei Frauen in Businesskostümen schreiend ein gut besuchtes Café in Bahnhofsnähe.
  • Szenen aus der Zukunft
    Neu-Westdeutschland 2050. Die Sonne scheint. Du hast gute Laune, denn deine solarbetriebene Flak wird heute den ein oder anderen Nordkoreaner vom Himmel holen.
  • Der Fluch
    Jeder legt sich seinen persönlichen Stein auf das Herz, exotische Dufthölzer brennen, der Raum füllt sich mit Rauch.
  • Ein Anruf bei Boris Palmer
    Glückwunsch, Herr Palmer! Als Bürgermeister einer sogenannten Mittelstadt haben Sie es mal wieder in die überregionale Presse geschafft.
  • Fläzen
    Thomas fläzt gerne. Er fläzt für sein Leben gern.

Witzige Cartoons und bissige Satire per Newsletter

Melden Sie sich jetzt kostenlos an: