New Work

»Woran denken wir alle sieben Sekunden? Richtig, genau daran!«, begrüßt uns der woke Günni auf der »Geilen Meile« in Hamburg-St. Pauli. Wir begleiten den schillernden Unternehmer in seine Stammkneipe, »Die Ritze«. »Das Wichtigste zuerst, nämlich meine Pronomen: Ich und es identifiziere mich selbst als Zuhälterlegende.« Nachdem wir auch die Pronomen vom Barkeeper kennen (»ihm« und »meiner«), fragen wir nach dem Grund für den Sinneswandel in einem traditionell eher patriarchalisch geführten Geschäftsfeld. »Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Ganz einfach. Deswegen bringe ich das älteste Gewerbe der Welt ins 21. Jahrhundert. Was das heißt? Haltung zeigen!« Und was heißt das nun wieder? In den Etablissements vom woken Günni ist Sex mit Rassisten verboten. »Wir sagen da ganz klar: Nazis raus … rein, raus, rein.« Ganz ablegen könne er seinen Kiez dann doch nicht.

Was Günnis Etablissement sonst noch ausmacht? »Als die Ersten deutschlandweit bieten wir jetzt auch Home-Oce.« Und was bei vielen Unternehmen immer noch undenkbar ist, hat Günni längst »eingeführt« – seine Belegschaft ist zu 99 Prozent weiblich – »nicht ganz divers, aber aus diversen Ländern Osteuropas«. Auch einen Frauenbeauftragten habe man eingestellt: Bernd – »intern nennen wir ihn den Nuttenflüsterer.« Zuhälter Günni muss lachen, bis Bernd zuschlägt. Der nimmt seine Arbeit nämlich sehr ernst. Beim Thema Nachhaltigkeit sei man ebenfalls gut aufgestellt. »Unsere MitarbeiterInnen steigen grundsätzlich nur in E-Autos. Hybrid ist auch noch in Ordnung.« Außerdem gebe es natürlich einen »Purpose«: »Von jedem Geschlechtsakt gehen zehn Prozent an Projekte für intersektionalen Feminismus. Also, wenn man sich für die gute Sache stark machen will, und nicht älter als 35 ist, kann man sich jederzeit bei mir melden!« Günni zwinkert spitzbübisch. Und sehr zukunftsorientiert.

MAG

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