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Schwiegermama

Gregor Olm

Ich möchte mich und meine Erwartungen gewiss nicht über die Ansprüche anderer Menschen stellen, aber unsere Flitterwochen habe ich mir ursprünglich solchermaßen ausgemalt: Ein abgelegenes Cottage in den schottischen Highlands. Nebel über den Bergen. Ein prasselndes Kaminfeuer und dazu meinetwegen (ich trinke eigentlich keinen Alkohol, aber die Situation erzwingt es ja geradezu) ein Glas Whisky. Vor allem aber: Zwei, die sich lieben.

Stattdessen sitzen wir nun zu dritt im Flugzeug, und ich sehe mich bohrenden Fragen ausgesetzt. »Aber Fußball magst du doch?« »Nicht so sehr. Mir liegt diese aggressive Emotionalität und das patriotische Getöse nicht.« »Und Boxen?« »Nein. Also wirklich nicht.« »Aber für irgendeinen Sport musst du dich doch interessieren! Mein letzter, Rudi, der hat immer Eishockey geguckt, und er war begeisterter Judoka. Ein Kontakt-sport. Richtige Kerle wollen sich doch mit anderen Männern messen.«

Thomas Leibe

Thea will mir ja partout nicht das Alter ihrer Mutter verraten, die immerhin fünfmal verheiratet war. Was ihr Gesicht angeht, würde ich, ganz ohne Häme, schätzen: hundertzwölf. Andererseits ist da ihre robuste Statur, diese – sorry, dass ich das so formuliere – Eisenbieger-Oberarme, die sich unter ihrem dunkelgrünen Regenmantel abzeichnen. Ich habe die Frau bis dato erst zweimal getroffen, einmal davon auf unserer Hochzeit, aber immer trägt sie diesen Mantel. Ganz besonders sticht allerdings die gewaltige, spitz zulaufende, großporige Nase hervor, an deren linken Flügel eine Warze prangt, der zwei rötliche, gelockte Haare entsprießen. Never judge a book by its cover, aber diese Haare schreien nach einem Glätteisen.

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