Liebe Leserin, lieber Leser,

kürzlich an einem lauen Frühlingsabend, mitten in Deutschland:
Tuut. Tuut.
»Pizzeria Don Camillo, hallo?«
»Guten Abend, ich hätte gern eine Calzone zum Mitnehmen.«
»Zum Mitnehmen? Aber Sie sind doch gar nicht hier?«
»Na ja, ich würde dann vorbeikommen.«
»Aha, Sie meinen also zum Abholen!«
Muss ich mir das gefallen lassen? Von einem Ausländer?

In Kürze beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland, und der Trainer der deutschen Mannschaft heißt nach wie vor Joachim Löw. Keine Selbstverständlichkeit nach der enttäuschend verlaufenen WM von 2014. Wir erinnern uns mit Schrecken: Gleich zwei Spiele wurden nur mit Ach und Krach in der Verlängerung gewonnen, und dazwischen gab es als absoluten Tiefpunkt die Schmach von Belo Horizonte, als man es gegen das schwächste brasilianische Team aller Zeiten nicht schaffte, ohne Gegentor zu bleiben. Aber das ist lange her, und meine Wut auf den Bundestrainer und seine Versagertruppe ist inzwischen fast vollständig verflogen. Jeder hat eine zweite Chance verdient! Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die »Aktion Wiedergutmachung« (so der offizielle Slogan des DFB) verlaufen wird. Und weil bis zum Anpfiff der WM noch ein bisschen Zeit ist, empfehle ich Ihnen zur Vorbereitung die Lektüre unseres Joachim-Löw-Porträts auf Seite 20.

In den letzten Wochen habe ich viele Zuschriften von Lesern bekommen, die wissen wollen, wie ich zur Einschläferung des Hunds Chico stehe. Ich möchte das an dieser Stelle beantworten, und zwar mithilfe einer Anekdote aus meiner Kindheit. Eines schönen Sommers reisten unsere Nachbarn in den Süden und überredeten meine arglosen Eltern, während dieser Zeit auf ihren Wellensittich Coco aufzupassen. Diese wiederum reichten die Aufgabe an mich weiter (»Wenigstens das wird er ja wohl können«, überzeugte mein Vater meine Mutter). Zwei Tage lang ging alles gut, doch dann, beim Auffüllen der Hirsevorräte, passierte das Unglück: Die Bestie entkam durch die kurzzeitig geöffnete Käfigtür, flatterte zunächst wild im Zimmer herum und ließ sich dann auf meinem Kopf nieder, wo sie sogleich ein Nest zu bauen begann. Anfangs gelähmt vor Angst und Panik, tat ich dann instinktiv das einzig Richtige: Ich rannte mit dem Kopf voran immer wieder gegen die Wand, bis die schrecklichen Schreie des Teufelsvogels (»Schöner Coco! Hübscher Coco!«) endlich erstarben.
Diese Erfahrung prägt mich bis heute: Wenn ich irgendwo ein Tier sehe, bringe ich es um. Damit stoße ich bisweilen auf Unverständnis bei den Haltern, und ich habe Hausverbot in allen deutschen Zoos, aber Sicherheit geht vor – auch und gerade der Kinder wegen! Entsprechend wenig Verständnis habe ich für die Idee meiner Redaktion, auf Seite 46 sogenannte »Haustiere« zu vermitteln. Diese Seiten wurden während meiner Abwesenheit ins Heft genommen, und ich distanziere mich auf das Schärfste von ihrem Inhalt.

Mit distanzierten Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

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