Lebt eigentlich Sepp Blatter noch?
Mittwoch, den 20. Dezember 2017

Lebt eigentlich Blatter noch?Natürlich! Denn tot ist nur, wer vergessen wurde. Und soeben hat sich wieder jemand des ehemaligen FIFA-Präsidenten sehr gut, wenn auch nicht im Guten, erinnert.

Im Zuge der #MeToo-Kampagne bezichtigte die Fußballspielerin Hope Solo Blatter, sie bei einer Gala 2013 unmittelbar vor Betreten der Bühne unsittlich berührt zu haben. Der Videobeweis zeigt eine strahlende junge Frau im schulterfreien Abendkleid neben einem alten weißen, ebenso mächtigen wie reichen Mann, der in sich gekehrt wirkt und vielleicht gerade an die bevorstehende Routine- Untersuchung beim Proktologen oder das letzte Gespräch mit seinem Steuervermeidungsberater denkt. Mithin eine Personenkonstellation, bei der führende Filmproduzenten und US-Präsidenten dringend empfehlen würden: »Grab her by the Popo!« Wie so oft verwickelt sich das vermeintliche Opfer an diesem heiklen Punkt allerdings in offenkundige Widersprüche. Mal soll Blatter sie »an den Hintern gefasst« (das Schweizer Boulevardblatt Blick) haben, mal »an den Arsch« (Tagesspiegel), laut Sportbild hingegen hat er »meinen Po begrapscht«. Ja, was denn nun?!

Könnte nicht alles ein bedauerliches Missverständnis sein? Wollte der 1,61 Meter kleine FIFA-Pate seinem Schützling (1,75 Meter) vor dem großen Auftritt lediglich aufmunternd den Rücken tätscheln und kriegte keinen Arm mehr hoch? Oder wähnte sich der damals 77-Jährige mit dem bestechenden Geschäftssinn, der Sepp vom Dienst für Afrikas Fußballfunktionäre und natürlich der Sommermärchenonkel (»... and se winner is: Deutschland!«), jäh wieder in die raue Walliser Bergwelt seiner Kindheit versetzt, wo man gerade weibliche Nutztiere bis heute mit einem kräftigen Klaps aufs Hinterteil an ihre dienende Funktion gemahnen darf, ohne dass PETA/Gender/EU-Aktivisten eine Twitter-Lawine lostreten?

Oder war alles ganz anders? Denn laut eigener Aussage brachte Blatter »menschliche Wärme in den Betrieb«. Hope Solo scheint das zumindest nicht kaltgelassen zu haben.

Patrick Fischer

 

---Anzeige---