Lafonknechtsches Wagentainment
Mittwoch, den 22. November 2017

Nachdem Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sich in der Flüchtlingspolitik bei den Wählern der AfD angebiedert hatten, tadelte der Soziologe Stephan Lessenich in der Tageszeitung Neues Deutschland den »Rassismus im lafonknechtschen Wagentainment«. Wie viele Stunden mag er an diesem bodenlos hintersinnigen Wortspiel herumgedrechselt haben? Und wozu?

Um sich als Gagschreiber für die Sendung Quatsch Comedy Club zu bewerben? Oder um auf dem Umweg über einen zündenden Namenswitz politische Kritik zu üben? In diesem Fall hätte es sich empfohlen, einen Witz zu ersinnen, der lustig ist. Die Rede vom »lafonknechtschen Wagentainment« ist jedoch nicht lustig, sondern peinlich, weil sich in ihr die Selbstüberschätzung eines Verfassers offenbart, der sich irrtümlich für einen Humoristen hält.

Namenswitze sind nur dann erlaubt, wenn sie so gut sind wie in der von Hermann L. Gremliza in konkret veröffentlichten Würdigung des Schriftstellers Peter Schütt, der mal als Katholik und mal als Kommunist und zu guter Letzt als gläubiger Muslim hervorgetreten ist: »Welch Lebenslauf! Vom Pater Schutt der Una Sancta über den Pjotr Schütt der Roten Blätter zum Peter Schiit des deutsch-muslimischen Zentralorgans, der Frankfurter Allahgemeinen. Saulus-Paulus ein Trotzkopf gegen ihn.«

Als »wirklich nett« hatte Gremliza viele Jahre zuvor den auf ihn selbst gemünzten Namenswitz »German L. Kremliza« bewertet. Das ist löblich. Denn man braucht starke Nerven, wenn es einen trifft. Als Eckhard Henscheid und ich einmal gemeinsam ein Buch geschrieben hatten, wurden wir von enthemmten Journalisten als »das Hensche-Duo« und als »das Autoren-Duo Henscheil« bezeichnet, und so geht’s natürlich nicht – wenn man schon verulkt wird, möchte man auch was zu lachen haben. So wie bei Thomas Winklers wunderbarem Stadtnamenswitz über Beirut und Bayreuth: »Der Beischlaf hat mich stets erfreut, / Bis ich Beirut ihn hab Bayreuth.« Oder bei Michael Schönens Brechstangenvers, der den Titel »Genesis« trägt: »Bei mansche Leit möcht’ man ja fraache: / ›Ei, Genesis nit Hochdeutsch saache?‹« Ergiebig ist in dieser Hinsicht auch der Name der Stadt Islamabad, und damit soll es für heute gut sein: »Bud Spencer sprach zu Terence Hill / Bei Dreharbeiten in Peru: / ›Was ich mal wieder essen will, ist Gnu.‹ / ›Das glaub ich dir‹, sprach Terence Hill, / ›doch weil’s hier auf der Speisekart / Nur Lamas hat, schweig einfach still – / Islamabad.‹«

Gerhard Henschel

 

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