Liebe Leserin, lieber Leser,

mit großer Betrübnis musste ich in den vergangenen Monaten das schlechte Verhältnis zwischen fast allen Massenmedien auf der einen und dem amerikanischen Präsidenten auf der anderen Seite zur Kenntnis nehmen. Die Atmosphäre war zwischenzeitlich so eisig, dass fast zu befürchten stand, es würde nie mehr zu einer Entspannung kommen. Doch wieder einmal zeigte sich, dass Donald Trump schlauer ist, als viele glauben. Er weiß nämlich ganz genau, dass die Kriegsbegeisterung des durchschnittlichen Journalisten kaum eine Grenze kennt – und tatsächlich:
Kaum waren die Raketen auf Syrien abgefeuert, erklang tosender Applaus aus fast allen Redaktionsstuben der westlichen Hemisphäre, und urplötzlich war der US-Präsident nach Ansicht der Kommentatoren aus Washington, New York oder Hamburg nun doch kein primitiver Tölpel, sondern ein kluger, entscheidungsfreudiger Staatsmann. Schön, dass dieses Missverständnis endlich aufgeklärt ist!

Die wohl prestigeträchtigste Vereinigung deutscher Journalisten ist die Bundespressekonferenz. Wer dort aufgenommen wird, erwirbt das Privileg, Woche für Woche wichtigen Funktionären Fragen stellen zu dürfen. Natürlich nicht irgendwelche Fragen – man sollte sich schon zu benehmen wissen und die Gäste aus der Politik nicht verärgern, sonst kommen sie womöglich nicht wieder. Eine legitime Frage wäre zum Beispiel: »Frau Ministerin, Sie sehen heute wieder bezaubernd aus. Wie machen Sie das nur?« Auch mit der folgenden Wortmeldung würde man sich sehr gut in den Kreis der Kollegen einfügen: »Herr Regierungssprecher, erklären Sie unseren Lesern doch bitte noch einmal ausführlich, warum Deutschland aufgrund der klugen Entscheidungen seiner Regierung so viel besser dasteht als andere Länder.« Wer oft genug in dieser Weise positiv auf sich aufmerksam gemacht hat, darf später vielleicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen moderieren oder sogar selbst Regierungssprecher werden. Dieser Mechanismus sichert nun schon seit vielen Jahren eine vorbildlich faire Berichterstattung über die Bundespolitik. Auf Seite 16 finden Sie noch viele weitere interessante Fakten über die Bundespressekonferenz.

Zu den Höhepunkten eines Schülerlebens gehört traditionell der Abi-streich. Selbst mein Jahrgang hat es sich damals, 1944, anlässlich unseres Notabiturs nicht nehmen lassen, einen solchen Streich zu veranstalten: Wir wählten einen besonders strengen Lehrer aus und erzählten dann überall herum, dass dieser heimlich Feindsender hören würde. Das war ein Spaß! Der Mann war aber leider so humorlos, dass er uns nie zu unserer Idee gratuliert hat; genau genommen habe ich ihn seit diesem Tag gar nicht mehr gesehen. Sei’s drum – eigentlich wollte ich heute gar keine ollen Kamellen erzählen, sondern vielmehr der Jugend von heute ein paar Tipps geben. Ich habe nämlich in letzter Zeit ein wenig über das Thema Abistreich nachgedacht und in der Folge zwei goldene Regeln entwickelt. Regel Nummer eins: Ein guter Abistreich kommt unerwartet. Regel Nummer zwei: Ein guter Abistreich ist nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Statt also am Tag der Zeugnisvergabe das Auto eines Lehrers mit Klopapier einzuwickeln (gähn!), solltet Ihr, liebe Schüler, zunächst gar nichts machen. Aber dann, vielleicht drei oder vier Jahre später, wenn niemand mehr damit rechnet, fahrt Ihr zum Beispiel mit einem LKW in eine Menschenmenge (Regel Nummer eins), und zwar möglichst fernab der Schule (Regel Nummer zwei). So wird euer Streich auf jeden Fall in Erinnerung bleiben! Weitere hilfreiche Hinweise gibt es ab Seite 31.

Mit hochschulreifen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

 

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