Liebe Leserin, lieber Leser,

Wladimir Putin, das muss man zugeben, ist ein erfolgreicher Taktiker. Seine oft waghalsigen Aktionen funktionieren im großen und ganzen ausgezeichnet, zumindest für ihn persönlich. Aber ich glaube, diesmal hat er sich verzockt. »Russland erklärt Homöopathie zur Pseudowissenschaft« – als ich das vor kurzem in der Zeitung lesen musste, zuckte ich zusammen: Weiß Putin denn nicht, dass in diesem Jahr in Deutschland gewählt wird? Dass es also durchaus möglich ist, dass die Grünen demnächst in der Bundesregierung vertreten sein werden? Ist ihm nicht bekannt, dass bei diesem Thema mit dieser Partei nicht zu spaßen ist? Oder will er etwa den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland provozieren? Eines ist jedenfalls klar: Wenn die Russen jetzt auch noch magischen Steinen die Heilkraft absprechen oder die Impfpflicht einführen, dann könnte es bald Krieg in Europa geben.

Vorausschauendes Handeln ist eines der großen Defizite der Entscheidungsträger in unserem Land. Ihnen fehlt nicht nur Vorstellungskraft, sondern auch die Fähigkeit, Eventualitäten korrekt abzuschätzen. Was habe ich mir damals, 1990, den Mund fusselig geredet! »Bitte äußerste Vorsicht beim Abbau der Mauer«, habe ich gesagt. »Nein, nicht alles kurz und klein schlagen«, habe ich gesagt. »Um Gottes willen – einlagern, nicht wegwerfen«, habe ich gesagt. Natürlich hat mal wieder keiner auf mich gehört, und wie wir heute wissen (aber damals schon hätten ahnen können!), war das ein schwerer Fehler. Ansonsten hätten wir jetzt einfach das Teil aus dem Keller holen, ein bisschen polieren und an Donald Trump verkaufen können – Milliardeneinnahmen aus dem Nichts! Stattdessen aber verlieren alle: Wir kriegen kein Geld, und die USA müssen mit ihren Grenzanlagen bei Null anfangen. Warum sie die überhaupt brauchen und ob der Mexikaner auch für uns eine Gefahr darstellt, erfahren Sie auf Seite 32.

Als vor einigen tausend Jahren die Vereinigung Europäischer Höhlenmenschen (VEH) eine große außerordentliche Mitgliederversammlung abhielt, stand neben der feierlichen Eröffnung des Holozäns auch noch eine wichtige Abstimmung an. Wir zitieren aus der Tagesordnung: »Welches Tier soll als nächstes domestiziert werden? a) Stegodon, b) Megaloceros, c) Auerochse«. Aber wie das eben so ist bei solchen Versammlungen – irgendeine Nervensäge reichte einen Änderungsantrag ein, der verlangte, zusätzlich noch den Wolf zur Auswahl zu stellen. Verständlicherweise wurde das allgemein für einen Scherz gehalten und mit großer Mehrheit abgelehnt. Anschließend musste sich der Unruhestifter noch ein paar Sprüche anhören (»Warum nicht gleich den Bären, du Spinner!«) und wurde der Versammlung verwiesen. Später erfror er einsam im Wald. Seine Idee aber überlebte und war, wie wir heute alle wissen, letztlich erfolgreich: Der Hund ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken, und es gibt ihn in allen möglichen Ausführungen, die je nach Bedarf des Halters auf das Haus aufpassen, die Jagd begleiten oder in der Handtasche mitgeführt werden können. Um so merkwürdiger erscheint es mir, dass es seit einiger Zeit ernsthafte Versuche gibt, die völlig veraltete Vorgängerversion wieder in Deutschland heimisch zu machen. Was soll das? Der Wolf versteht keine Kommandos, sein Aussehen verstößt gehen die Rassestandards sämtlicher Zuchtvereine, und er bedroht in nicht hinnehmbarer Weise unsere ohnehin schon akut gefährdete Rotkäppchenpopulation. Eine ausführliche Schilderung des Problems finden Sie auf Seite 37.

Mit hündischen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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