Lebt eigentlich Günther Krause noch?
Mittwoch, den 21. Dezember 2016

Lebt eigentlich Günther Krause nochDanke der Nachfrage, aber um ihn muss man sich wahrlich nicht sorgen! Auch wenn es zeitweise still um ihn wird – alle drei bis fünf Jahre meldet er sich zuverlässig zurück. Womit er sich dann zurückmeldet – das ist niemals überraschend, sondern immer so, dass man ausrufen kann: typisch Krause!

Sein Repertoire umfasst Insolvenzen und Insolvenzverschleppung, Bankrottvergehen (die Bewährungsfrist ist abgelaufen), kühne Gründungsideen (z.B. die Republik mit »Volkshäusern« zuzubauen, die im Prinzip nicht teurer sind als ein beheizbares Viermannzelt, oder aus dem Stroh, das in Mecklenburg bei der Weizenernte anfällt, so viel Öl zu gewinnen, dass Deutschland von Saudi-Arabien und Russland unabhängig wird). Auch seine Eskapaden sehen ihm ähnlich.

Tief in die Geschichte der Bundesrepublik eingegraben: die Putzfrauenaffäre (die ihm das Amt als Kohls Verkehrsminister kostete, aber wohl nur der Anlass war, ihn loszuwerden), seine Scheidungsaffäre mit unendlich ausgetragenem Gezeter, welche Ehehälfte welche Stallungen, den Jeep und den Hund bekommt, von diesem und jenem Knatsch auf lokaler Ebene abgesehen.

Über all dem vergisst man leicht sein überragendes historisches Verdienst: Krause hat mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag zur Deindustrialisierung der Rest- DDR ausgehandelt, der annähernd das gesamte Volk der Ossis zu Almosenempfängern beim deutschen Staat gemacht hat. Auch dabei war er kühn – z.B. hat er das Minol-Tankstellennetz an einen französischen Monopolisten verhökert. Und so ein verdienstvoller Mann wird bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten nicht einmal in Erwägung gezogen!

Jetzt geht er mit seiner Benzingewinnungsfirma wieder in Insolvenz. Aber er bleibe optimistisch, sagte er dem Berliner Kurier: Wenn er den Kapitalgeber überzeugt, wird er nächstens aus Neutrinos (Strahlen aus dem All) so viel Strom erzeugen, dass wir Tag und Nacht im Hühnerstall das Licht brennen lassen können.
Falls das klappt, hören wir wieder von ihm. Oder falls das scheitert.

Matti Friedrich

 

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