Liebe Leserin, lieber Leser,

mit großer Verwunderung habe ich die Diskussion um die Austragung des südamerikanischen Fußballpokals zur Kenntnis genommen. Bekanntlich musste das Finalrückspiel in Argentinien aufgrund von Ausschreitungen zunächst abgesagt werden, woraufhin schnell die Idee aufkam, es stattdessen in Europa stattfinden zu lassen. So weit, so gut – aber weshalb dafür Städte wie Madrid oder Genua vorgeschlagen wurden, erschließt sich mir überhaupt nicht. Dort gibt es doch genauso viele heißblütige Fußballfans wie in Buenos Aires, in puncto Sicherheit wäre also gar nichts gewonnen! Dabei liegt die Lösung so nahe: Wer Ausschreitungen vollständig ausschließen will, muss für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, nämlich eine möglichst aseptische Spielstätte mit einem Publikum, das noch nie in seinem Leben irgendwelche Emotionen verspürt hat. Sie haben sicher schon verstanden, worauf ich hinaus will – das Spiel hätte definitiv in Wolfsburg stattfinden müssen.

Bayern ist schön. Seine Landschaften typisch, seine Bauwerke weltberühmt, sein Fußballverein Tabellenvierter. Und seine Politiker die besten von ganz Deutschland, wenn nicht von Europa. Aber woher kommt dann das hartnäckige anderslautende Klischee? Die Antwort führt uns zurück zum ersten Satz. In Bayern ist es nämlich tatsächlich so wunderschön, dass niemand, der seine Sinne noch beisammen hat, dort weg will. Schon gar nicht, wenn das Ziel der Reise ein gottverlassener, nebligtrüber Moloch nahe der polnischen Grenze ist. Logische Folge: Die talentierten, engagierten, integren, populären, erfolgreichen bayerischen Politiker bleiben grundsätzlich zu Hause, die anderen werden nach Berlin geschickt.
Aber nun zu einem völlig anderen Thema: Auf Seite 26 porträtieren wir unseren Bundesverkehrsminister, Herrn »Dr.« Andreas Scheuer.

Zum Schluss kann ich Ihnen leider eine schlechte Nachricht nicht ersparen: Nach vielen Monaten relativer Gesundheit ist der EULENSPIEGEL in diesem Monat erneut vom längst überwunden geglaubten Morbus Funzel befallen worden. Leser, denen ihre geistige und/oder physische Gesundheit wichtig ist, werden dringend gebeten, sich von der mit einem Kaugummi auf Seite 3 festgeklebten Sonderbeilage fernzuhalten. Empfohlen wird in zukünftigen Ausgaben zudem ein Sicherheitsabstand von ca. fünf Seiten, weil unter Umständen auch die benachbarten Artikel infiziert sein könnten.
Sie möchten jetzt vermutlich wissen, wie es dazu kommen konnte. Nun, es ist kompliziert, und eine vollständige Antwort würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen, aber unter anderem sind folgende Faktoren involviert: ein inkompetenter Arbeitsrichter, ein heimlich gegrabener Tunnel, ein zu kurzes Passwort, viel Alkohol, zwei osteuropäische Prostituierte sowie ein verwackeltes Handyvideo. Wie dem auch sei: Wenn Sie die oben erwähnten Sicherheitshinweise beachten, dann bin ich optimistisch, dass sich der Schaden in Grenzen halten wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit gesunden Grüßen

xxx
Chefredakteur 

 

 

 

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