Liebe Leserin, lieber Leser,

für eine kleine Kontroverse sorgte vor kurzem der Konzertveranstalter Marek Lieberberg, als er sich nach der sicherheitsbedingten Absage eines Konzerts darüber beschwerte, dass es zu wenige anti-islamistische Massendemonstrationen von Muslimen gäbe. Nun habe ich durchaus Verständnis für Herrn Lieberbergs Aufregung – schließlich hatte er vermutlich gerade eine Menge Geld verloren –, aber mit der Kollektivschuld ist das so eine Sache: Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die vielen Hundert Millionen Rockmusikfans auf dieser Welt wenig begeistert wären, wenn man sie alle für die Verbrechen von »Coldplay«, »Kings of Leon« oder den »Toten Hosen« verantwortlich machen würde.

Grundsätzlich finde ich es sehr gut, dass unsere Welt progressiver wird. Es ist ein Fortschritt, dass man heute in der Öffentlichkeit über Dinge reden kann, die früher verschämt unter den Teppich gekehrt wurden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es sicher ein positives Signal, dass in Frankreich ein Mann zum Präsidenten gewählt wurde, von dem allgemein bekannt ist, dass er als Kind von seiner Lehrerin missbraucht wurde. Andererseits: Ist Mitleid wirklich ein sinnvolles Kriterium zur Besetzung solch wichtiger Ämter? Wäre es mittelfristig nicht vielleicht doch besser gewesen, einem qualifizierten Kandidaten den Vorzug zu geben? Für Herrn Macron hätte man doch bestimmt einen angemessenen Posten finden können, zum Beispiel als Präventionsbeauftragter im Schulministerium.

Das Jahr 2017 wird in die Sportgeschichte eingehen. Es war das Jahr, in dem die vermeintlich so alten und verknöcherten Herren vom Deutschen Fußballbund eine revolutionäre Erkenntnis überkam: Fußball ist langweilig und muss dringend durch Showeinlagen aufgelockert werden. Doch so überzeugend und erfolgreich der Auftritt von Helene Fischer beim DFB-Pokalfinale auch war – das kann nur der erste Schritt gewesen sein. Wenn der Fußball eine Zukunft im globalen Wettbewerb haben will, muss dieser Weg konsequent weiter gegangen werden, und zwar nicht nur in der Halbzeitpause.
Hier sind ein paar Ideen von mir:
• Sämtliche Strafstöße werden von Prominenten aus Film und Fernsehen geschossen.
• Die Spieler bekommen eine Kamera auf den Kopf geschnallt und kommentieren die Partie live auf Youtube.
• Auswechslungen werden aufregender: Der eine Spieler verschwindet durch ein Loch im Boden, der neue wird per Katapult aufs Feld geschossen.
• Immer wenn dem Schiedsrichter per Videobeweis ein Fehler nachgewiesen wird, muss er ein Kleidungsstück ausziehen (nur bei Abendspielen).
• Mehr weibliche Schiedsrichter (nur bei Abendspielen).
• Wenn das Spiel gerade nicht so aufregend ist, erzählt der Stadionsprecher einen (familienfreundlichen) Witz.
Noch mehr Vorschläge finden Sie auf Seite 38.

Mit familienfreundlichen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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