Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als verantwortungsbewusster Staatsbürger sorge ich mich jederzeit um die Sicherheit meines Landes. Darum bemühe ich mich stets, entsprechende Vorschriften nicht einfach nur stupide zu befolgen, sondern aktiv überzuerfüllen. Ersucht man mich beispielsweise am Flughafen, meinen Gürtel abzulegen, so belasse ich es nicht dabei, sondern lege auch noch meine Hose, Unterhose und Socken dazu. Ich habe nichts zu verbergen! An den meisten Flughäfen kennt man mich deshalb inzwischen schon und winkt mich an der Sicherheitsschleuse einfach durch. Es zeigt sich also wieder einmal: Wer regelmäßig Gutes tut, wird irgendwann belohnt.

Der Unternehmer Elon Musk ist ein beliebtes Objekt der Berichterstattung, weil seine schillernde Persönlichkeit eine große Anziehungskraft auf die Öffentlichkeit ausübt. Auch ich bin fasziniert von ihm, was vor allem daran liegt, dass ich so viel von mir in ihm wiederfinde: Auch ich beleidige gern Menschen im Internet, auch ich konsumiere gern Drogen, auch ich übernachte gern mal im Büro (wenn es zu Hause gerade Ärger gibt). Und auch ich träume schon lange davon, Menschen per Rohrpost zu verschicken. In diesem Punkt bin ich Herrn Musk sogar ein wenig voraus, denn mit einem Hamster ist mir das bereits gelungen, wenn auch um den Preis eines Hausverbots im Postmuseum. Nur ein Elektroauto habe ich noch nicht produziert, das muss ich ehrlich zugeben. Aber dieses Schicksal teile ich ja mit der gesamten deutschen Automobilindustrie, es gibt also keinen Grund, mich zu schämen. Mehr über Elon Musk und meinen Einfluss auf ihn können Sie auf Seite 18 lesen.

Nachdem Markus Söder das bayerische Raumfahrtprogramm vorgestellt hatte, ließen Hohn und Spott nicht lange auf sich warten: Keine Zeitung, kein Fernsehsender, kein Twitter-Account, die sich nicht in billigen Witzeleien über den Sonnenkönig aus dem Süden ergingen. Von mir werden Sie so etwas allerdings nicht hören. Denn auch auf die Gefahr hin, uns allen die gute Laune zu verderben, möchte ich an dieser Stelle eines zu bedenken geben: Hat sich eigentlich irgendeiner dieser Witzbolde die Frage gestellt, womit sich Söder noch so hätte profilieren können? Na? Was machen denn andere Diktaturen typischerweise in Krisenzeiten? Stichwort Nordkorea, Stichwort Iran? Klingelt’s jetzt? Sehen Sie. Da ist mir so ein bisschen Raumschiff-Gaudi wirklich tausendmal lieber. Also, liebe Bayern: Bitte genau so weitermachen und den Spott tapfer ignorieren, auch den auf Seite 27.

Mit schwerelosen Grüßen

xxx
Chefredakteur 

 

 

 

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