Liebe Leserin, lieber Leser,

es erfüllt mich mit großer Freude, dass weltweit immer mehr Politiker gegen arrogante »Wissenschaftler« und ihre »Fakten« aufbegehren. Eine Vorreiterin hierzulande war Barbara Steffens (Grüne), die als nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin öffentlich kundtat, sie lehne es ab, Krankheiten naturwissenschaftlich erklären zu wollen. Im Ausland gibt es ähnliche Trends: Viele amerikanische Politiker lehnen die Evolutionstheorie ab, der dortige Präsident glaubt nicht an den »Klimawandel«, und vor kurzem erst machte der australische Premierminister Schlagzeilen, als er die Gesetze der Mathematik für ungültig erklärte, soweit sie den Gesetzen Australiens entgegenstünden. Insbesondere Letzteres empfehle ich für unser Land dringend zur Nachahmung: Ein Verbot der negativen Zahlen beispielsweise könnte Deutschland mit einem Schlag von sämtlichen Staatsschulden befreien.

Einflussreiche Meinungsmacher wie ich bekommen oft von Unternehmen Produkte geschenkt, in der – meist berechtigten – Hoffnung, dies würde unsere Berichterstattung positiv beeinflussen. Zuletzt passierte das vor ein paar Wochen, als ich von der Firma Tesla ein Exemplar ihres selbstfahrenden Autos erhielt. Die erste Testfahrt war aber recht ernüchternd, denn der keineswegs billige Wagen hat leider die eine oder andere Macke. Besonders nervig: Bei jedem Spurwechsel geht so ein komisches gelbes Licht an der Seite abwechselnd an und wieder aus; das irritiert doch erheblich, zumal es von einem Knackgeräusch begleitet wird. Aber zum Glück kenne ich ja diesen russischen Hacker, der mir in solchen Angelegenheiten regelmäßig wertvolle Dienste leistet. Nachdem er sich der Steuerungssoftware des Autos angenommen hat, ist das oben beschriebene Fehlverhalten weg, und zusätzlich gibt es noch ein paar schöne neue Features wie das automatische Setzen der Lichthupe, sobald ein langsamer fahrendes Auto vor mir auftaucht. Künstliche Intelligenz kann eine gute Sache sein, wenn man sie richtig einsetzt! Auf Seite 38 erfahren Sie mehr zu diesem Thema.

Wie ich schon häufig erwähnt habe, erhalten wir beim EULENSPIEGEL eine Unmenge an Leserzuschriften. Viele davon sind mit Wachsmalstiften oder Blut geschrieben, aber von denen erzähle ich ein anderes Mal. Unsere Leserbriefschreiber kann man nämlich grob in zwei Alterskategorien einordnen: Da sind zum einen die treuen Altabonnenten. Sie zitieren gern ihre Lieblingsartikel aus den 50er-Jahren, verbunden mit der ultimativen Aufforderung, endlich wieder an das damalige Niveau anzuknüpfen. Ich selbst würde das auch gern tun, aber leider weigern sich meine Redakteure, anklagende Polemiken über die Qualitätsmängel von Kaffee- Ersatz zu schreiben, und auch für Attacken auf die Bonner Ultras kann ich sie nicht so recht begeistern. Ich werde es aber weiter versuchen, Pionierehrenwort!

Die Rückmeldungen unserer jungen Leser hingegen sind im Allgemeinen sehr wohlwollend, aber meist auch mit Fragen verbunden. Ist zum Beispiel auf dem Titelblatt Angela Merkel zu sehen, erhalten wir unter Garantie mehrere Hundert Zusendungen ungefähr des folgenden Inhalts: »Ich und alle aus meiner Klasse fanden die Zeichnung total super, aber wer ist denn die Frau mit der lustigen Frisur?« So sehr wir die Kommunikation mit unseren Lesern schätzen – langsam haben wir keine Lust mehr, diese Fragen immer wieder neu zu beantworten. Deshalb, und weil passenderweise auch noch eine Bundestagswahl bevorsteht, gibt es in diesem Heft ab Seite 24 eine große Erstwähleraufklärungsaktion.

Mit wählerischen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

---Anzeige---