Entrepreneurshipforschung

Lange hat es gedauert, bis die Entrepreneurshipforschung in mein Gesichtsfeld geraten ist. Jetzt habe ich sie endlich im Visier und kann auf den Aufsatz »Die Entrepreneurshipforschung in Deutschland, Österreich und der Schweiz« verweisen, der 2012 in der Zeitschrift für KMU und Entrepreneurship erschienen ist, wobei »KMU« für »Kleine und mittlere Unternehmen« steht. Die Autoren fassen ihn folgendermaßen zusammen:

»In den letzten Jahrzehnten hat sich die Anzahl an Zeitschriftenpublikationen im Forschungsfeld Entrepreneurship beträchtlich erhöht. Zur Analyse der Wahrnehmung dieser Studien schlägt die vorliegende Studie mit dem Resonanzfaktor (RF) ein relatives Maß vor, das die Anzahl an Zitationen eines Artikels in Relation zu den erwarteten Zitationen für einen Artikel des jeweiligen Alters setzt. Dieser Resonanzfaktor wird angewendet auf insgesamt 257 Entrepreneurshipartikel aus den Jahren 1997 bis 2007 und ihre jeweils bis zum Jahr 2010 erzielten Google Scholar-Zitationen.«

Nein, das ist nicht mehr die Sprache Goethes, Hölderlins und Hebels, aber die Entrepreneurshipforscher und Entrepreneurshipforscherinnen haben selbstverständlich das Recht, ihren eigenen Jargon zu pflegen. Töricht ist allerdings ihr Ehrgeiz, das gute alte Wort »Zahl« durch das Wort »Anzahl« zu ersetzen. Und vielleicht hätten sie auch bedenken sollen, dass dem Kunstbegriff »Resonanzfaktor (RF)« kein Leben innewohnt. Man kann ihn natürlich in die Debatte werfen. Nur sollte man sich nicht der Hoffnung hingeben, dass andere ihn aufgreifen möchten. Der »Resonanzfaktor (RF)« führt seither ein Schattendasein, während die Entrepreneurshipforschung voranschreitet: »Ein neues Forschungsgebiet innerhalb der gründerzentrierten Entrepreneurship-Forschung ist die Resilienzforschung«, heißt es in dem von Thomas C. Knecht, Ulrich Hommel und Holger Wohlenberg herausgegebenen »Handbuch Unternehmensstrukturierung« (Wiesbaden 22018), und in seinem Geleitwort zu Sebastian Eberz’ Studie »Effectuation oder Causation?

Der Einfluss der Persönlichkeit unerfahrener Entrepreneure« (Koblenz-Landau 2017) schreibt Harald von Korflesch völlig zu Recht: »Mit der Gegenüberstellung von Effectuation und Causation hat Herr Eberz über Effectuation einen thematischen Strang in der Entrepreneurship-Forschung aufgenommen, der sich zunehmend als eigenständiger, Entrepreneurship-spezifischer theo retischer Ansatz etabliert.«

Im Hinblick auf die Entrepreneurshipforschung der Jahre 2019 ff. erhebt sich nun die bange Frage: Wolle mer se reinlasse?

Gerhard Henschel
 

 

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