Liebe Leserin, lieber Leser,

ich war sehr beeindruckt davon, wie engagiert uns ARD und ZDF während der Fußball-WM zwischen den Spielen die vielen politischen Defizite des Gastgeberlandes nahegebracht haben. Das wird, da bin ich mir sicher, von nun an ein fester Bestandteil der Sportberichterstattung sein. Ob nun bei der Tour de France: »Herzlich willkommen zur letzten Etappe in Paris, wo das neoliberale Macron-Regime soeben erneut die Arbeitnehmerrechte beschnitten hat. Wir blenden nun den Link zur Petition der Gewerkschaften ein.« Oder beim Tennis: »... geht es nun in diesem heiß umkämpften US-Open-Finale in den entscheidenden fünften Satz. Wir sind gleich wieder da, aber vorher möchten wir Sie über den menschenrechtswidrigen Einsatz von amerikanischen Killerdrohnen in Pakistan informieren.« Und natürlich in der Fußball-Bundesliga: »Willkommen zur Spitzenbegegnung des 28. Spieltags aus der Münchner Allianz-Arena. Nach der Werbung meldet sich unser Reporter am Spielfeldrand mit interessanten Informationen zum Thema Korruption in der CSU.«
Ich freu mich drauf!

Die zum Redaktionsschluss aktuelle Episode der Seifenoper »Boris Becker « las sich in den Medien ungefähr so: Während der Verhandlung in seinem Insolvenzverfahren wedelte Boris Beckers Anwalt plötzlich mit einem Diplomatenpass und argumentierte, sein Mandant sei von der Zentralafrikanischen Republik als »Attaché für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten« bei der EU akkreditiert und genieße deshalb Immunität. Der Außenminister dieses Staates streitet das ab und behauptet außerdem, der Diplomatenpass sei eine Fälschung und stamme aus einer Marge gestohlener Blankopässe.
Zweifellos ein unterhaltsamer Plot, aber den professionellen Drehbuchautoren unter Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass es einige Leerstellen gibt, die ich im Folgenden zu füllen versuche:
▪ Frage: Zu welchem Anlass war Herr Becker in Afrika? Mein Vorschlag: Brautschau.
▪ Frage: Woher hat Becker den gefälschten Pass? Mein Vorschlag: Über das E-Mail-Angebot eines nigerianischen Prinzen.
▪ Frage: Wie baut man das vielversprechende Motiv »Ein Albino in Afrika« am besten in die Handlung ein? Mein Vorschlag: Ein Medizinmann verkauft Beckers Gliedmaßen an eine Tennisakademie in Malawi, die anschließend diverse Wimbledonsieger hervorbringt. Mehr dazu auf Seite 28.
Aber jetzt mal was anderes: Habe ich das richtig verstanden, dass Diplomatenpässe vor Insolvenzverfahren schützen? Und falls ja: Weiß jemand, wo man die restlichen Blankopässe erwerben kann? Ich frage für einen Freund. Antworten bitte an unsere Adresse im Impressum.

Im Streit um die Nachrüstungen von Dieselfahrzeugen wurde vonseiten der Hersteller und der Bundesregierung immer wieder dargelegt, dass man sich mit Software-Updates begnügen müsse, weil der Austausch physischer Komponenten zu teuer wäre. Meines Erachtens lässt sich diese Argumentation aber nicht mehr halten: Inzwischen hat sich nämlich in unseren Justizvollzugsanstalten eine solche Menge qualifizierten Personals aus der Automobilbranche angesammelt (wir berichten auf Seite 24), dass man Herstellung und Einbau der benötigten Teile kostengünstig von Gefängnisinsassen vornehmen lassen könnte, ohne Kompromisse bei der Qualität machen zu müssen. Worauf warten wir also?

Mit kostengünstigen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

 

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