Das Schicksal …

… hat es gut mit mir gemeint. Denn mit meinem Wohnort habe ich es wirklich gut getroffen: Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken, Borchardt-Restaurant – all das ist von meinen eigenen vier Wänden aus fußläufig zu erreichen. Aber in unserem schnelllebigen Geschäft ist nichts für die Ewigkeit. Das trifft auf uns Hauptstadtjournalisten genauso zu wie auf das politische Personal in Berlin. Für uns beide kann ein Umzug von heute auf morgen nötig werden, wenn es der Beruf erfordert.

Besonders hart hat es vor Kurzem Manuela Schwesig erwischt. Manuela (wir kennen uns zufällig) ist vielen Leuten als das soziale Gewissen der SPD bekannt. Sie musste sich jetzt aus der Zivilisation Richtung Meckpomm verabschieden – und zwar in eine »Stadt« namens Schwerin. Schade, Manuela war einer der Gründe, warum mir dieser Job hier in der Hauptstadt immer Spaß gemacht hat. Jetzt wird sie dafür kritisiert, dass sie ihren Sohn in Schwerin auf eine Privatschule schickt. Dabei ist das doch völlig normal! Wer würde nicht wollen, dass sein Kind die bestmögliche Ausbildung erfährt.

Und wenn man nicht gerade auf der Insel der Glückseligen in Berlin-Mitte wohnt, dann kann man sein Kind eben nicht auf irgendeine zugewiesene staatliche Schule schicken! Wir reden hier schließlich von Schwerin! Wer kann Frau Schwesig bitteschön garantieren, dass ihr Kind in Schwerin nicht mit irgendeinem dahergelaufenen laktosetoleranten Bauernlümmel in Kontakt kommt. Oder schlimmer noch: Mit einem Kind, das monolingual erzogen wird? Ich selbst habe keine Kinder, zumindest weiß ich nichts von ihnen. Aber die pure Vorstellung, dass meinen Sprösslingen so etwas widerfahren könnte, jagt mir einen Schauder über meinen frisch gewaxten Rücken.

Man muss auch ein bisschen Verständnis für Politiker aufbringen, die schließlich auch nur Menschen sind. Und wem das partout nicht gelingt, der sollte einfach selbst nach Schwerin ziehen!

Atze Svoboda

 

---Anzeige---