meisterwerke
Meisterwerk

Die Molluskenmalerei des angehenden 21. Jahrhunderts setzt sich traditionell äußerst kritisch mit den Essgewohnheiten der Franzosen auseinander. Denn das weiß ja ein jeder: Der Franzacke frisst praktisch alles, was bei drei nicht im Häuschen ist!

Die Binse, dass Schnecken im Salat nur in Frankreich nicht als Schädlinge angesehen werden, ist dementsprechend auch in der modernen Malerei ein wiederkehrendes Sujet. Man denke nur an Gerhard Richerts (Vater des berühmten Cartoonisten Hannes Richert) Werk »Kriechspur auf Leinwand«, Georg Baselitz’ Gemälde »Schnecke an der Decke, also richtig rum« oder an Damien Hirsts ekelhafte Skulptur »A Dozen Snails Vs. One Pair Of Shears«!

Diese Gourmet-Kritik ist wichtig, gerade in einer Zeit, in der Frankreich vor richtungsweisenden Wahlen steht: Foie gras mit Preiselbeeren oder Kirschen? Wein erst zum Mittagessen oder schon zum Frühstück? Froschschenkel und Ochsenzunge mit oder ohne Mayo? – Die Zeiten, in denen die Kunst dazu keine Meinung hatte, sind vorbei.

Das kann man bedauern. Sollte man vielleicht sogar. Doch Gemälde wie dieses zeigen, dass nicht nur der Verzehr merkwürdiger Sachen, sondern auch Kunst den Horizont erweitern kann. Indem es dem Betrachter den Blickwinkel der in Paris Urlaub machenden Molluske aufzwingt, wirft das Gemälde ein Schlaglicht auch auf die schulische Ausbildung und die damit einhergehenden grammatikalischen Unzulänglichkeiten dieser von den Bildungsministerien kaum beachteten Tiere. Ganz klar: Für dieses Problem muss ein gesellschaftliches Bewusstsein geschaffen werden!

Was allerdings auch mit diesem Werk nicht geklärt werden kann, ist die alte Menschheitsfrage an das französische Volk: Moules frites? Echt jetzt? Das soll die berühmte französische Küche sein? Muscheln mit Pommes? – Dann doch lieber Döner mit scharf.

T. Mälzer

 

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