Liebe Leserin, lieber Leser,

nachdem ich kürzlich in der Wohnung eines Bekannten diesen Button der Firma Amazon gesehen hatte, mit dem man einfach per Knopfdruck zum Beispiel neues Waschpulver bestellen kann, war ich inspiriert: Könnte ich mir diese Technik nicht auch zunutze machen? Glücklicherweise kenne ich einen russischen Programmierer, der mir noch einen Gefallen schuldete, und so war er bereits nach einer Woche fertig: Der »Abo-Button«, der bei jedem Knopfdruck ein EULENSPIEGEL-Abonnement abschließt! Inzwischen habe ich 10 000 Stück davon bei einem chinesischen Auftragsfertiger herstellen lassen. Jetzt fehlt nur noch die Beschriftung (»Hier drücken für kostenlose Schokolade«), dann kann ich die Dinger in der Stadt verteilen und anschließend einen neuen Geldspeicher bauen. Man braucht nur gute Ideen, dann kommt der Erfolg ganz von allein!

In meinem Unternehmen kommt keiner auf so eine tolle Idee – Buchhalterkreaturen, allesamt! Jetzt sind sie darauf verfallen, den Heftpreis um 30 Cent zu erhöhen. Ich weiß nicht, wem sie damit eine Freude machen wollen, mir jedenfalls nicht. Bitte informieren Sie sich hier über die neuen Preise!

Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA handelte es sich stets um ein würdevolles Prozedere, bei dem sich zwei kompetente Kandidaten im fairen Wettstreit gegenüberstanden. Am Ende erwählte dann das Volk, in seiner Gesamtheit weise und objektiv, den etwas besseren der beiden, und er regierte bis ans Ende seiner Amtszeit oder bis er erschossen wurde. Anschließend wiederholte sich das Ganze – bis im letzten Jahr ein Kandidat gewählt wurde, der gar nicht für das Amt vorgesehen war. Grund dafür war eine teuflische neue Erfindung namens »Fake News«. Dabei handelt es sich um vermeintliche Nachrichten, die aber nicht von vertrauenswürdigen Medien aus Nato-Mitgliedsstaaten stammen, sondern in unterirdischen KGB-Laboren hergestellt und in westliche Länder geschleust werden. Da die dortige Bevölkerung keinerlei Erfahrung mit Falschmeldungen hat, vermag sie den betrügerischen Inhalt nicht als solchen zu erkennen, verwandelt sich umgehend in Putin-Zombies und stimmt an der Wahlurne für den falschen Kandidaten. Damit das in diesem Jahr nicht auch in Deutschland passiert, fordern Politiker nun, dass nur noch offiziell zertifizierte Nachrichten verbreitet werden dürfen. Ich schließe mich dieser Forderung an und erinnere daran, dass vor gar nicht allzu langer Zeit auch der Inhalt dieser Zeitschrift Woche für Woche sorgfältig von staatlichen Stellen geprüft wurde, bevor sie in den Handel kam. Hat uns das etwa geschadet? Ganz im Gegenteil – die Auflage war viel höher als heute! Denken Sie mal darüber nach, und lesen Sie dann unsere Artikel auf den Seiten 17 und 32.

In der Politik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg oft scheinbar unbedeutende Details. Erfolgreiche Politiker zeichnet die Fähigkeit aus, ebendiese Details zu erkennen und in ihrem Sinne zu optimieren. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Eine Mehrheit der Deutschen würde eigentlich sehr gern die SPD wählen. »Das ist die richtige Partei für mich«, denken sie bei sich. »Die setzen sich für soziale Gerechtigkeit ein, sind kompetent in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, sichern den Frieden in der Welt, stehen immer zu ihren Wahlversprechen und haben überhaupt das Herz am rechten Fleck. Wenn nur der Parteivorsitzende nicht so dick wäre …« Einem politischen Toptalent wie Sigmar Gabriel entgeht eine solche Stimmungslage natürlich nicht, weshalb er sich jetzt den Magen verkleinern lassen hat. Wir berichten auf Seite 42 und sind uns sicher, dass einem überwältigenden Sieg der SPD bei der kommenden Bundestagswahl nun nichts mehr im Weg steht.

Mit schlanken Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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