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Meisterwerk

Tierstudien wie der Feldhase von Albrecht Dürer oder die Mäuse von Uli Stein sind hochaktuell. Wieso also nicht auch mal Gänse, solange sie was Interessantes zu erzählen haben? – Hier sehen wir zwei saftige Prachtexemplare im Dialog. Es scheinen Gänse in Freilandhaltung zu sein, zumindest deutet nichts auf das Gegenteil hin. Man muss sich die Gänse also als glückliche Vögel vorstellen.

Und es sind moderne Gänse. Seit es im Stall W-LAN gibt, sind sie immer gut informiert. Zuerst stand es auf der Seite Die-ganse-Wahr-heit.de, dann verbreitete sich die Nachricht über Twitter wie ein einzelsträngiges RNA-Virus mit negativer Polarität (-ssRNA) aus der Familie der Orthomyxoviren: H5N1 ist zurück! Zwar ist keines der Tiere alt genug, um sich noch an die letzte Seuche erinnern zu können, doch den Roman »Knuspriges Gänsekeulen mit Rotkohl und Klößen « des durch die CDU-Spendengeldaffäre berühmt gewordenen ehemaligen Innenministers Manfred Ganther, haben im Stall alle gelesen.

Der Gans links im Bild entfährt sogleich ein Stoßgebet, das sie an den Gott der Entenvögel, Guido Gantz, Moderator der Sendung »Verstehen Sie das?«, richtet. Sie kann es nicht fassen, dass sie gekeult werden soll, wo sie doch viel lieber qualvoll am Virus verrecken möchte. Die Gans rechts dagegen scheint nicht nur ihr unmittelbares Gänseleid im Blick zu haben, sie denkt auch an den Mensch und daran, was dieser nun zu Weihnachten essen soll. Doch ist die Gans wirklich so clever? – Man beachte die Scheinargumentation: »Das können die doch nicht machen, wir sind doch Weihnachtsgänse.« Dabei ist es vielmehr so: Wären sie keine Weihnachtsgänse, müssten sie nicht gekeult werden.

Der Mensch hat gelernt, den Tieren zuzuhören und keult seitdem mit Wonne. Und die Kissenhersteller müssen schließlich auch von was leben. Mahlzeit und gute Nacht!

Nils Holgersson 

 

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