Platinum VizClear HD Car Visor

Ursprünglich wollte ich hier mit dem folgenden Zitat beginnen: »Die klassische Annäherung zur Lösung eines Streitfalles, der sich in Europa als Rechtsstreitigkeit darstellen würde, weicht von der europäischen Vorgangsweise sehr stark ab.« Dies stellte der Rechtswissenschaftler Gerd Kaminski 1973 in seiner Studie »Chinesische Positionen zum Völkerrecht« fest, in der er auch die »Vorgangsweise der Staatsführung« in China thematisierte. Aber hätte es nicht »Vorgehensweise« heißen müssen?

Auch der Terminus »Vorgehensweise« strahlt etwas unerfreulich Bürokratisches ab und könnte vermutlich in vielen Fällen durch das schlichtere »Vorgehen« ersetzt werden. Noch garstiger wirkt allerdings die »Vorgangsweise«. Als »Vorgang« kennt man abgeschlossene, aktenkundig gewordene Geschehnisse, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte – gleichgültig, ob sie sich als »Zeugungsvorgang«, als »Hinrichtungsvorgang« oder in irgendeinem anderen Gewand präsentieren. Wer »Vorgangsweise« sagt, der hat jedenfalls nur in Ausnahmefällen darüber nachgedacht, ob nicht nur ein Vorgehen, sondern auch ein Vorgang eine Weise haben könnte.

Das Wort »Vorgangsweise« ist ein Misswuchs, eine sprachliche Eiterbeule, die in einer gepflegten Konversation oder in einem sonst halbwegs lesbaren Buch den gleichen Effekt hat wie ein Ohrenkneifer auf einer Sahnetorte. Von Jenny Erpenbeck, der Autorin des Romans Gehen, ging, gegangen, hätte man gerade in dieser Hinsicht ein – wie sagt man da? – verfeinertes Gespür erwarten dürfen. Doch was hat sie in ihrer Dankrede anlässlich der Verleihung des Thomas-Mann-Preises gesagt? »So ähnlich ist Erdogans Vorgangsweise der Vorgangsweise von Hitler 1933 – im Tagebuch von Thomas Mann kann man es nachlesen –, dass die Parallelität geradezu unheimlich anmutet ...« Eine noch bedenklichere Bemerkung findet sich in Günter Kahowez' Nachwort zum Kriegstagebuch seines Vaters Bruno Kahowez (Im Schatten des Kriegers, Bochum 2010): »Die Vorgangsweise Hitlers hat Parallelen zu Goethes Faust.«

Die Erfahrung lehrt jedoch, dass man als Erbsenzähler gilt, wenn man an geläufigen Begriffen Anstoß nimmt. Aus diesem Grund möchte ich diesmal etwas völlig anderes in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen, und zwar eine Blendschutzscheibe namens »Platinum VizClear HD Car Visor«. Man kann sie für 19,99 Euro in Supermärkten erwerben, und sie erfüllt sicherlich ihren Zweck, aber das täte sie auch, wenn sie einen anständigen Namen hätte.

Gerhard Henschel

 

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