Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie haben sicherlich auch schon davon gehört, dass immer mehr Logistikunternehmen derzeit den Einsatz von Drohnen zur Zustellung von Sendungen erproben. Und vielleicht stehen Sie, wie viele andere Menschen auch, dieser Idee eher skeptisch gegenüber. Das ist durchaus verständlich – wem gefällt schon die Vorstellung, dass ständig irgendwelche Flugroboter über seinem Kopf kreisen und womöglich auf ebendiesen fallen? Aber ich habe gute Nachrichten für Sie: Die Firma Amazon hat vor kurzem ein Patent auf eine Drohne erhalten, die sich kontinuierlich selbst überwacht und bei einer Fehlfunktion sofort reagiert – und zwar mit einer kontrollierten Absprengung der defekten Komponente. Beruhigend, oder? Damit sollte dem flächendeckenden Einsatz von Paketdrohnen nun wirklich nichts mehr im Weg stehen.

Auf den ersten Blick scheint Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein klassisches Glückskind zu sein: Er ist seit Jahrzehnten Leibarzt quasi sämtlicher Spitzensportler dieses Planeten, die er in seiner 1600 Quadratmeter großen Praxis im Münchner Zentrum empfängt. Er ist seit jeher und für immer Mannschaftsarzt des FC Bayern München, verkauft mit großem Erfolg Nahrungsergänzungsmittel im Internet und sieht mit 75 Jahren so unverschämt jung aus, dass man inständig hofft, niemals das Gemälde erblicken zu müssen, das an seiner statt gealtert ist. Doch dieser Weg war keinesfalls vorgezeichnet: Denn Müller-Wohlfahrt ist mit einer schweren Erbkrankheit auf die Welt gekommen. »Ich kann mit den Fingern sehen«, so drückt er es typischerweise gegenüber Laien aus. Was viele Menschen im ersten Moment für eine missglückte Metapher halten, ist tatsächlich das Hauptsymptom von »digitus videndi«, wie der medizinische Fachbegriff für dieses überaus seltene Leiden lautet. Ich finde es wunderbar, dass man trotz einer solch schweren Missbildung ein erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft werden kann. Aus diesem Grund habe ich bei meiner Redaktion ein inspirierendes und völlig unkritisches Porträt über Dr. Müller-Wohlfahrt in Auftrag gegeben, das Sie auf Seite 20 lesen können.

Mit großem Interesse habe ich in den letzten Wochen die Berichterstattung zur vermeintlichen Unterwanderung der Berliner Polizei durch arabische Clans verfolgt. Ich kann allerdings nicht so recht verstehen, warum das überall so negativ dargestellt wird. Wer die Berliner Polizei näher kennt, weiß jedenfalls, dass sie von einer solchen Übernahme nur profitieren kann: Dann hätte sie nämlich klare Führungsstrukturen und motivierte Mitarbeiter – und in Berlin gäbe es plötzlich zumindest eine funktionierende Behörde. Aber auch für die libanesischen Großfamilien würde es sich lohnen, denn sie könnten ihrerseits viel über Korpsgeist lernen. Eine echte Win-win-Situation, ja geradezu das Idealbild einer Public-private-Partnership! Aber manche haben wohl immer was zu nörgeln. Faire und ausgewogene Berichterstattung zu diesem Thema finden Sie hingegen auf Seite 24.

Mit motivierten Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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