Auslese
Grüne Freuden in der Wanne - aus Heft 11/2010

Grüne FreudenAn einem beliebigen Tag an einem beliebigen Nachmittag in einer beliebigen Universitätsstadt: Ein beliebiger Rathaus-Saal wird von Parteimitgliedern der Grünen feierlich geschmückt. Die Wände des Raumes sind mit Raufasertapete beklebt. Unregelmäßig erheben sich die Noppen in launigen Abständen. Die Massen drängen sich vor dem Einlass. Immer mehr Stühle werden hereingetragen. Darauf liegen Sitzkissen, die mit Schnüren an den Lehnen befestigt sind. Die Schleifen hängen wie schlaffe Brezeln in der wohltemperierten Luft. Auf einen eiligen Beschluss des hiesigen Kreisverbandes werden schließlich lange Stuhlreihen in den Raum geschoben, die so unendlich scheinen wie die Einleitung eines Spiegel-Artikels. An diesem Ort will der örtliche grüne Kreisverband seine neuen Mitglieder feierlich begrüßen.

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Ich und du und wir und die - aus Heft 9/2010

Seit April sucht die Europäische Union fieberhaft nach einem Dichter oder Schlagertexter, der aus Politik Poesie destillieren kann: Die Charta der Grundrechte soll in Verse gegossen werden, möglichst singbar, damit sie die Europäer irgendwann (z.B. aus Anlass von Naturkatastrophen, Kriegen oder Aufnahme der Türkei) singen können. Grönemeyer und Grünbein haben es versucht – und sind gescheitert. Unser Dichter Gerhard Henschel hat das hehre Anliegen zu dem seinigen gemacht und legt hier einen Text vor, der auch vor dem Menschengerichtshof bestehen könnte, in dem sich mancherlei reimt und der am besten innerhalb einer Sippe mit verteilten Stimmen gerufen werden sollte.

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Letzte Grüße von zu Haus - aus Heft 8/2010

Mein lieber Rolf, der Guttenberg hat uns die Wahrheit gesagt (Respekt, wo hat man das schon bei Politikern), und wir rechnen für August mit dem Schlimmsten, was wir gar nicht auszusprechen wagen. Vati war eine ganze Woche geknickt, aber jetzt geht es wieder. Muss ja. Dein Zimmer werden wir erst mal so lassen, so wie Du es verlassen hast. Es braucht ja momentan keiner. Nur vielleicht schenken wir die Gitarre Deinem Neffen Lucas, der schon immer drauf rumklimpert. Du müsstest mal sehen, wie groß der Bursche geworden ist. Vati lässt fragen, er hat vergessen, welche der beiden Häsinnen voriges Jahr geworfen hat, damit im September, wenn wir Dich nicht mehr fragen können, nicht noch mal dieselbe ran muss. War’s die Berta? Wenn wir wieder einen Rammler kriegen, sagt Vati, werden wir ihn Rolf nennen. Du hast mir ja immer Deinen Namen verübelt, aber dann würde er passen. Bei uns ist sonst alles ruhig hier. Der Greiners Ilse habe ich von Deinem schweren Schicksal erzählt, und die quatscht es natürlich rum im Dorf. Wundere Dich also nicht, wenn Du noch von diesem und jenem Post kriegst. So weit für heute. Es grüßt Dich Deine Mutter
PS: Wenn Du den genauen Termin hast, lass es uns wissen.

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