Auslese
Müssen wir alle sterben? - aus Heft 9/2011

Müssen wir alle sterben?Diese Frage stellten sich in diesen Wochen alle Geldbesitzer. Die erschreckende und einhellige Antwort: wahrscheinlich ja. – Schuld daran sind die Börsen. Denn was in den letzten Wochen dort geschah, ließ selbst alle Fachleute erzittern. Am Morgen war noch alles ruhig, der Dax ging leicht hoch, am Vormittag dann ging der Dax runter, am Mittag ging er wieder ein Stück vor, später aber erneut zurück, um am Nachmittag in den Keller zu gehen, bevor er erst rein und dann raus ging, bis er schließich am Abend gar nicht mehr zu erreichen war und sich von seiner Frau am Telefon verleugnen ließ.

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Die dreisten Drei - aus Heft 9/2011

Die Zahl Drei fasziniert seit jeher die Menschen. Sie ist quasi eine heilige Zahl, was sie von überflüssigen Zahlen wie der 17 oder 0,0841 unterscheidet,die allenfalls zum Abbilden des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauches vonArtischockenherzen oder Panflöten zu gebrauchen sind. Die Drei findet sich in der Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, bei der Fee hat man drei Wünsche frei, dem Teufel werden drei goldene Haare ausgerissen,und Schneewittchen würde es mit drei Zwergen getrieben haben, hätte sie nicht Lust auf weitere vier gehabt.

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Held an der unsichtbaren Front - aus Heft 8/2011

jahnDie Stasi-Ausstellung in der Berliner Zimmerstraße ist ein grausiger Ort. Wie brutal hier mit Opfern umgesprungen wird! In olivgrünen Polstern zucken sie auf kleinen Bildschirmen wie komische Stummfilmfiguren. Man soll wohl denken: Ach, so hat die Stasi das gemacht, Regimegegner in Plüsch erstickt! Die Opferlebensläufe haben die Museologen jeweils dazugelegt. Da liest man verblüfft, dass die Toten in diesem schmutzgrünen Mausoleum durchweg am Leben sind. Aber hier sind sie eingesargt und müssen nun wohl ihr Lebtag lang Opfer bleiben.

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Rache, Neid und böse Worte - aus Heft 8/2011

Was will Hannelore Kohl ihrem Mann eigentlich noch alles antun?

Hannelore Kohl

Hat ihn niemand mehr lieb? Gibt es keinen mehr in seiner Partei, der ihn mal von oben bis unten herzt und knuddelt? Von Journalisten, politischen Weggefährten und der eigenen, selbstgeschaffenen Familie bis auf die Haut ausgezogen, muss er öffentlich in Schutt und Asche baden. Vor allem sein Privatleben, von dem zu Amtszeiten kein böser Pieps an die Öffentlichkeit drang, liegt für alle sichtbar am Boden: Die Frau, die ihn vorn und hinten vier Jahrzehnte lang sauber hielt und, ohne je zu murren, seinen privaten Hintergrund brav ausgemalt hat, bläst sich aus purem Egoismus das Lebenslicht weg – und statt es damit gut sein zu lassen, wirft die alte Petze noch Jahre nach dem selbstverschuldeten Tod mit einem finsteren Buch nach ihm, das ihn als kalten Ehemann und eisiges Familienoberhaupt in Grund und Boden zetert.

 

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Behandelt wie Verbrecher und Idioten - aus Heft 8/2011

»Nieder mit Google. Jeder Schwachkopf kann sein Erbrochenes auf Jahre an meinen Namen pappen«
Mathias Matussek via Twitter

Verbrecher und IdiotenDie ganze Nacht sitze ich an einer Öllampe und lese. Der Schein flackert unentwegt über Das katholische Abenteuer, das neueste Buch Matthias Matusseks. Ich achte darauf, dass die Flammen nicht hochschlagen, um nicht aufzufallen. Hier, tief im Wald in einem Loch, bin ich relativ sicher davor, entdeckt zu werden. Was ich tue, ist etwas streng Verbotenes, denn ich nicke zustimmend, während ich Matussek lese.

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